Wichtige Fakten

  • Die Asthmatherapie beruht auf zwei Säulen: Ein Bedarfsmedikament für den Notfall und ein Dauermedikament zum Schutz.
  • Ihr blauer oder grauer „Bedarfs-Spray“ ist ein Feuerlöscher. Er kommt NUR bei einem akuten Asthma-Anfall zum Einsatz.
  • Ihr „Dauermedikament“-Spray ist die Rauchmelder- und Sprinkleranlage. Es wird JEDEN Tag angewendet, um einen Anfall von vornherein zu verhindern.
  • Die Verwendung einer Vorschaltkammer ist für Kinder unverzichtbar und für Erwachsene ein entscheidender Vorteil. Sie bringt das Medikament dahin, wo es wirken muss.
  • Jede Familie mit einem Asthmapatienten benötigt einen schriftlichen Asthma-Aktionsplan. Er ist die verbindliche Notfallanleitung.

Dieses Geräusch. Es weckt Sie nachts auf.

Für Eltern gibt es kaum ein beunruhigenderes Geräusch als das pfeifende Atmen ihres Kindes. Dieses knappe, ziehende Geräusch, wenn die Luft nicht mehr richtig fließt. Vielleicht kennen Sie es auch von sich selbst: das plötzliche Engegefühl in der Brust. Asthma ist keine bloße Befindlichkeitsstörung, sondern eine Erkrankung, die das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen kann.

Die klinisch relevante Mitteilung lautet jedoch: Sie können die Kontrolle über die Erkrankung erlangen. Der erste Schritt ist das Verständnis für die beiden grundverschiedenen Medikamententypen, die in der Therapie zum Einsatz kommen.

Der Feuerlöscher vs. Der Rauchmelder

Diese Unterscheidung ist für das Asthma-Management zentral. In der Regel stehen zwei verschiedene Spray-Typen zur Verfügung, die gegensätzliche Funktionen erfüllen.

Ihr Bedarfsmedikament (Der Feuerlöscher)

Das ist in der Regel der blaue oder graue Spray (z.B. mit Salbutamol). Seine Aufgabe ist die NOTFALLBEHANDLUNG. Es wirkt schnell, entspannt die verkrampfte Bronchialmuskulatur und erweitert die Atemwege während eines Anfalls. Es ist der Feuerlöscher für den akuten Brand. Ein wichtiger Hinweis aus der Praxis: Wenn dieser Spray mehr als zweimal pro Woche benötigt wird, ist die vorbeugende Therapie nicht optimal eingestellt.

Ihr Dauermedikament (Der Rauchmelder)

Dies ist der zweite Spray, oft in anderen Farben wie orange, braun oder lila. Er enthält meist ein niedrig dosiertes Kortikosteroid. Seine Aufgabe ist die VORBEUGUNG. Es wirkt langsam, über Tage und Wochen, indem es die chronische Entzündung in den Atemwegen hemmt. Es ist der Rauchmelder und die Sprinkleranlage. Es wird TÄGLICH angewendet. Auch wenn man sich völlig gesund fühlt. Gerade dann. Denn es sorgt dafür, dass es erst gar nicht zum akuten Anfall kommt.

Ein häufiger Fehler ist das Absetzen des Dauermedikaments bei beschwerdefreien Phasen. Das wäre, als kündigte man die Wohngebäudeversicherung, weil das Haus bisher nicht gebrannt hat. Das Dauermedikament ist oft der Grund für das Wohlbefinden.

Das Medikament muss in die Lunge gelangen

Die korrekte Anwendungstechnik ist entscheidend. Ein Spray ohne Vorschaltkammer direkt in den Mund zu sprühen, ist ineffizient. Ein Großteil des Wirkstoffs bleibt im Rachen hängen.

Die Vorschaltkammer, eine einfache Kunststoffkammer, löst dieses Problem. Das Spray wird in die Kammer abgegeben, der Wirkstoff verteilt sich als feine Wolke und kann dann mit wenigen, tiefen Atemzügen eingeatmet werden. Für Kinder ist diese Technik unerlässlich. Für Erwachsene verbessert sie die Wirkstoffdeposition in der Lunge erheblich.

Ihr persönlicher Asthma-Aktionsplan

Ein schriftlicher Asthma-Aktionsplan, erstellt mit dem behandelnden Arzt, ist eine wesentliche Grundlage der Therapie. Dieser Plan dokumentiert verbindlich:

  • Welche Medikamente täglich einzunehmen sind (das Dauermedikament).
  • Welche Schritte bei ersten Verschlechterungen einzuleiten sind (z.B. zusätzliche Anwendung des Bedarfsmedikaments).
  • Welches Vorgehen im Notfall gilt (wie viele Sprühstöße, wann der Notarzt zu rufen ist).

Er nimmt die Unsicherheit in einer akuten Situation. Bewahren Sie ihn gut sichtbar auf, etwa am Kühlschrank, und geben Sie eine Kopie an die Schule oder den Betreuer weiter.

Ein kurzer Hinweis zu Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente können auch diese Nebenwirkungen haben. Das Bedarfsmedikament kann ein vorübergehendes Zittern oder Herzklopfen verursachen. Das Dauermedikament (Kortisonspray) kann in seltenen Fällen zu Heiserkeit oder einem Pilzbefall im Mund führen. Eine einfache Maßnahme beugt vor: Spülen Sie den Mund nach jeder Anwendung mit Wasser aus und spucken Sie es aus.

An werdende Mütter sei dieser Hinweis gerichtet: Ein nicht kontrolliertes Asthma stellt nach aktuellem Kenntnisstand ein größeres Risiko für das Ungeborene dar als die verordneten Medikamente. Gemeinsam mit dem Arzt kann ein sicherer Therapieplan für die Schwangerschaft erstellt werden. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab.