Wichtige Fakten

  • Bei Diabetes ist das Risiko, eine erektile Dysfunktion zu entwickeln, bis zu dreimal höher als bei Männern ohne die Erkrankung.
  • ED ist häufig das allererste Anzeichen dafür, dass Diabetes beginnt, Blutgefäße und Nerven zu schädigen.
  • Hier geht es nicht nur um Sex. Eine erektile Dysfunktion ist ein entscheidendes Warnsignal für Ihre allgemeine Gesundheit, insbesondere für das Herz.
  • Der Schaden wird durch langfristig erhöhte Blutzuckerwerte verursacht. Die Blutzuckereinstellung ist die wichtigste Maßnahme.
  • Für die ED selbst gibt es wirksame Behandlungen, die zugrunde liegende Diabetes-Erkrankung muss jedoch ebenfalls behandelt werden.

Das Kohlenmarienkäferchen

Ich möchte mit Ihnen ein sehr offenes Gespräch führen. Wenn Sie Diabetes haben und beginnen, Probleme mit der Erektion zu bemerken, müssen Sie genau zuhören. Ihr Körper sendet Ihnen eine Nachricht. Es ist ein blinkendes Warnsignal, das Sie nicht ignorieren sollten. In der medizinischen Praxis ist die erektile Dysfunktion bei einem Mann mit Diabetes das klassische „Kohlenmarienkäferchen“. Es ist ein frühes Zeichen für tieferliegende Probleme.

Zu lange wurde eine erektile Dysfunktion lediglich als peinliches Problem im Schlafzimmer angesehen. Das ist sie nicht. Es ist ein medizinisches Problem. Bei Diabetes ist sie oft ein direkter Hinweis auf den Zustand Ihres Herz-Kreislauf-Systems. Die gleichen Schäden, die in den winzigen Blutgefäßen Ihres Penis auftreten, geschehen auch in den Gefäßen von Herz und Gehirn. Ihre Erektion ist lediglich der erste Ort, an dem Sie es bemerken.

Ein Doppelangriff auf Ihren Körper

Was genau verursacht Diabetes in Ihrem Körper, das zu ED führt? Es ist ein anhaltender, zweifacher Angriff auf genau die Systeme, die Sie für eine gesunde Erektion benötigen.

  1. Es schädigt Ihre Blutgefäße. Stellen Sie sich Ihre Blutgefäße als Netzwerk weicher, flexibler Rohre vor. Eine Erektion entsteht, wenn diese Rohre sich weit öffnen, um Blut einströmen zu lassen. Ein langfristig hoher Blutzucker wirkt wie ein ätzender Schlamm in diesen Rohren. Sie werden steif, eng und beschädigt. Die winzigen Gefäße im Penis sind am anfälligsten und versagen oft zuerst.
  2. Es schädigt Ihre Nerven. Ihre Nerven sind die Verkabelung. Sie übertragen das Signal von Ihrem Gehirn zum Penis, das „Jetzt geht’s los“ bedeutet. Hoher Blutzucker beschädigt auch diese Verkabelung, ein Zustand, der als diabetische Neuropathie bekannt ist. Das Signal wird schwach und verrauscht. Die Nachricht kommt nicht klar oder gar nicht an.

Bei beschädigten Rohren und fehlerhafter Verkabelung kann das System nicht funktionieren. So einfach ist das. Und es ist nicht nur der Diabetes selbst. Männer mit Diabetes haben oft weitere begünstigende Faktoren wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Übergewicht, die allesamt das Problem verstärken.

Die Kontrolle zurückgewinnen

Nach all diesen ernsten Worten möchte ich, dass Sie die gute Nachricht hören. Dies ist keine ausweglose Situation. Ganz im Gegenteil. Ihr Körper gibt Ihnen die Gelegenheit, die Kontrolle zurückzugewinnen. Auch wenn wir bereits entstandene Schäden nicht immer rückgängig machen können, so können wir ihr Fortschreiten stoppen und die Symptome behandeln.

Ihre wichtigste Aufgabe, beginnend heute, ist es, Ihren Blutzucker in den Griff zu bekommen. Punkt. Alles andere ist nachrangig. Arbeiten Sie mit Ihrem Hausarzt oder Endokrinologen zusammen. Nehmen Sie Ihre Medikamente. Passen Sie Ihre Ernährung an. Beginnen Sie mit Spaziergängen. Jeder einzelne Punkt, um den Sie Ihren Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) senken, ist ein Kampf für Ihre Zukunft – für Ihr Herz, Ihre Augen, Ihre Nieren und ja, auch für Ihre Erektionen.

Wie wir die ED behandeln

Während Sie an der umfassenden Diabeteseinstellung arbeiten, stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die ED direkt zu behandeln und Ihr Sexualleben wiederherzustellen. Die Behandlungen sind dieselben wie bei Männern ohne Diabetes, erfordern jedoch eine sorgfältige Abwägung.

BehandlungBesonderheiten bei Diabetes
Tabletten (z.B. Cialis, Viagra)Oft der erste Schritt. Sie können gut wirken, manchmal sind die Nerven- und Gefäßschäden jedoch zu ausgeprägt, um vollständig effektiv zu sein. Ein Versuch ist es dennoch wert.
Penile Injektionen (z.B. Trimix)Eine sehr wirksame Option für Männer mit Diabetes. Sie umgeht die geschädigten Nerven und bringt ein wirksames Medikament direkt in den Penis, was eine zuverlässige Erektion erzeugt. Mehr dazu in meinem Leitfaden zu Trimix-Injektionen.
Weitere OptionenVakuumpumpen und Penisimplantate sind ebenfalls hervorragende, hochwirksame Lösungen, die nicht von gesunden Nerven oder Blutgefäßen abhängen.

Bitte schieben Sie das Thema nicht beiseite, wenn Sie Diabetes haben und ED bei sich bemerken. Sehen Sie es, was es ist: ein entscheidender Hinweis auf Ihre Gesundheit. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Dieses Gespräch kann nicht nur Ihr Sexualleben retten, sondern unter Umständen auch Ihr Leben.