Wichtige Fakten
- Ein Arzneimittel-„Friedhof“ in Haus oder Wohnung ist keine Seltenheit.
- Das Verfallsdatum auf der Packung ist keine bloße Empfehlung. Danach kann das Medikament unwirksam oder sogar schädlich werden.
- Bei lebenswichtigen Mitteln wie Adrenalin-Autoinjektoren (EpiPens) oder Insulin ist die Anwendung eines abgelaufenen Produkts ein gefährliches Risiko.
- Alte Tabletten in den Hausmüll zu werfen oder die Toilette hinunterzuspülen, ist keine Lösung. Es schadet der Umwelt und birgt Gefahren für Kinder und Haustiere.
- Die Lösung ist einfach: In eine Tüte packen und in jeder Apotheke abgeben. Dort werden sie kostenlos und fachgerecht entsorgt.
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Das verborgene Arsenal im Haushalt
Den Ort kennen Sie vermutlich. Das oberste Fach im Badezimmerschrank. Die hinterste Ecke der Küchenschublade. Es ist das Arsenal vergessener Arzneimittel. Dort finden sich drei übrig gebliebene Antibiotika-Tabletten von der Nasennebenhöhlenentzündung 2019, eine geheimnisvolle Cremetube gegen Hautausschlag und eine Flasche Kinderparacetamolsaft, die so verklebt ist, dass sie sich nicht mehr öffnen lässt. Das ist ein verbreitetes Phänomen. Der Gedanke „Das könnte ich vielleicht noch mal brauchen“ sorgt dafür, dass die Mittel dort verbleiben.
Aus medizinischer Sicht ist diese Sammlung vergangener Beschwerden jedoch mehr als nur Unordnung. Sie stellt ein potenzielles Sicherheitsrisiko für den Haushalt dar. Der gut gemeinte Aufbewahrungsgedanke kann sich als problematisch erweisen.
Warum das kleine Datum auf der Schachtel wichtig ist
Das Verfallsdatum auf einer Medikamentenpackung ist kein willkürlich gewählter Termin. Es ist das Ergebnis intensiver Stabilitätsprüfungen. Bis zu diesem Datum garantiert der Hersteller die volle Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des Produkts – vorausgesetzt, es wurde sachgerecht gelagert (also beispielsweise nicht im feucht-warmen Badezimmer).
Nach Ablauf dieses Datums sind grundsätzlich zwei Szenarien möglich:
- Die Wirksamkeit lässt nach. Die Wirkstoffe zersetzen sich und verlieren ihre Kraft. Eine abgelaufene Schmerztablette einzunehmen, kann bedeuten, dass die Kopfschmerzen bleiben. Lästig, aber meist nicht folgenschwer.
- Es kann schädlich werden. In einigen Fällen können sich die chemischen Substanzen beim Abbau in andere Verbindungen umwandeln, die reizend oder sogar giftig wirken. Dies gilt besonders für flüssige Zubereitungen, Cremes und individuell angefertigte Rezepturen.
Im Grunde handelt es sich um ein unsicheres Experiment. Ist die Tablette noch ein hilfreiches Arzneimittel oder nur ein wirkungsloses Relikt?
Hochwirksame Medikamente, bei denen Vorsicht geboten ist
Auch wenn grundsätzlich jedes Verfallsdatum zu beachten ist, gibt es Medikamente, bei denen die Folgen einer abgelaufenen Anwendung besonders schwerwiegend sein können. Hier geht es nicht um eine bloße Ungewissheit, sondern um ein erhebliches Gesundheitsrisiko.
- Adrenalin-Autoinjektoren (EpiPens): Der Wirkstoff baut sich mit der Zeit ab. Bei einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion ist die volle Wirkstärke des Adrenalins jedoch entscheidend. Ein abgelaufener Autoinjektor könnte nicht mehr ausreichend wirken.
- Insulin: Abgelaufenes Insulin kann an Wirksamkeit verlieren, was zu einem gefährlich hohen Blutzuckerspiegel führen kann.
- Nitroglycerin bei Angina Pectoris: Diese kleinen Tabletten gegen Brustschmerzen verlieren nach dem ersten Öffnen der Flasche sehr schnell an Potenz.
- Augentropfen: Nach dem Öffnen können sie sich mit Bakterien besiedeln. Abgelaufene Augentropfen zu verwenden, erhöht das Risiko einer Augeninfektion. In der Regel sollten sie 28 Tage nach dem ersten Öffnen entsorgt werden, unabhängig vom aufgedruckten Verfallsdatum.
Der richtige Weg der Entsorgung (Nicht hinunterspülen!)
Angenommen, Sie sind überzeugt und wollen Ihr Arsenal ausmisten. Der erste Impuls könnte sein, alles in den Hausmüll zu werfen oder in der Toilette zu entsorgen. Davon ist dringend abzuraten.
Das Herunterspülen von Medikamenten führt dazu, dass Wirkstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, was ein erhebliches Umweltproblem darstellt. Die Entsorgung über den Hausmüll birgt Risiken für neugierige Haustiere, Wildtiere oder auch Menschen. Übrig gebliebene Opioide aus einer vergangenen Behandlung könnten in falsche Hände geraten.
Die Lösung ist denkbar einfach. Sammeln Sie alle unerwünschten und abgelaufenen Medikamente – Tabletten, Cremes, Pflaster – in einer Tüte. Gehen Sie in eine beliebige Apotheke. Übergeben Sie die Tüte mit der Bitte um Entsorgung. Die Apotheke nimmt diese in der Regel kostenlos entgegen und gibt sie zur sicheren, hochtemperierten Verbrennung in den Fachkreislauf. Dieser Service ist korrekt und verantwortungsvoll.
Eine einfache Aufgabe für das Wochenende
Eine kleine Aufgabe für Sie. Sie wird etwa 15 Minuten Ihrer Zeit beanspruchen. Sichten Sie an diesem Wochenende Ihren Medikamentenvorrat. Seien Sie konsequent. Überprüfen Sie jede Schachtel, jede Flasche und jede Tube. Alles, was abgelaufen ist oder nicht mehr benötigt wird, kommt in eine Tüte. Bei Ihrem nächsten Einkauf gehen Sie an der Apotheke vorbei und geben die Tüte ab. Sie schaffen Platz, erhöhen die Sicherheit in Ihrem Zuhause und werden sich anschließend mit großer Wahrscheinlichkeit besser fühlen.