Wichtige Fakten

  • Die klare Ansage: Autofahren unter Einfluss jeglicher Medikamente, die Ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen – ob verschrieben oder nicht – ist illegal und gefährlich.
  • Der kleine Warnhinweis „Kann Schläfrigkeit verursachen“ ist keine bloße Empfehlung. Es ist eine zentrale Sicherheitsanweisung.
  • Es geht nicht nur um Schlafmittel. Typische Wirkstoffe finden sich in manchen Antihistaminika, Schmerzmitteln und sogar einigen Antidepressiva.
  • Die ersten Tage der Einnahme eines neuen Medikaments sind die unberechenbarsten. Sie wissen nicht, wie es auf Sie wirkt. Finden Sie es nicht hinter dem Steuer heraus.
  • Wenn Sie mit einem Neugeborenen unter Schlafmangel leiden, ist Ihre Grundverfassung bereits beeinträchtigt. Ein zusätzliches müdemachendes Medikament ist dann ein Rezept für einen Unfall.

Die versteckte Beeinträchtigung

Die Gefahren von Alkohol am Steuer sind allgemein bekannt. Eine andere Form der Beeinträchtigung wird jedoch oft verharmlost und kann ähnlich fatal sein. Es ist das wattige, benebelte Gefühl mit verlangsamten Reaktionen, das von einer überraschend großen Zahl gängiger Medikamente ausgelöst werden kann.

Aus der Praxis als Stillberaterin kenne ich die erschöpfteste Bevölkerungsgruppe: frischgebackene Eltern. Ich weiß, wie es ist, mit nur wenigen Stunden Schlaf zu funktionieren. Die Grundverfassung ist bereits angeschlagen. Nimmt man dann ein Medikament, das selbst nur leichte Schläfrigkeit verursacht, gefährdet man sich selbst, das Kind auf der Rückbank und alle anderen Verkehrsteilnehmer. Es geht nicht um Panikmache, sondern darum, eine oft unterschätzte Gefahr bewusst zu machen.

Wie sich Beeinträchtigung tatsächlich anfühlt

Es geht nicht immer darum, am Steuer einzuschlafen. Die Auswirkungen können subtiler, aber genauso gefährlich sein.

Eine Medikamentenbedingte Beeinträchtigung kann sich wie folgt äußern:

    • Verlangsamte Reaktionszeit: Der entscheidende Unterschied zwischen rechtzeitigem Bremsen und einem Aufprall.
    • Schwindel oder Benommenheit: Besonders bei Kopfbewegungen.

Verschwommenes Sehen: Straßenschilder sind schwer zu entziffern.

  • Konzentrationsschwierigkeiten: Sie driften unbeabsichtigt in die Nachbarspur, weil die Gedanken abschweifen.
  • Eingeschränkte Urteilsfähigkeit: Sie schätzen die Geschwindigkeit eines entgegenkommenden Fahrzeugs beim Linksabbiegen falsch ein.

 

Alles, was die Kommunikation zwischen Gehirn, Augen und Gliedmaßen verlangsamt, macht Sie zum Risikofahrer.

Die üblichen Verdächtigen in Ihrem Medizinschrank

Die Liste der beeinträchtigenden Substanzen ist überraschend lang.

  • „Müde machende“ Antihistaminika: Ältere Allergiemedikamente sind hierfür berüchtigt. Die Einnahme kann einer Überschreitung der Promillegrenze entsprechen.
  • Opioide Schmerzmittel: Eine klare Sache. Starke Schmerzmittel und Autofahren vertragen sich nicht.
  • Beruhigungsmittel und Schlafmittel: Offensichtlich, doch die Wirkung kann länger anhalten als angenommen.
  • Einige Antidepressiva: Vor allem in den ersten Anwendungswochen während der Einstellungsphase.
  • Muskelrelaxanzien: Sie entspannen auch die Muskeln, die Sie zum Fahren benötigen.
  • Kombinationspräparate gegen Erkältung und Grippe: Viele enthalten eine Mixtur aus Wirkstoffen, oft mit sedierenden Antihistaminika für den Schlaf. Gut fürs Bett, gefährlich für die Straße.

Der „Next-Day Hangover“-Effekt

Dieser Punkt wird häufig übersehen. Sie nehmen ein Schlafmittel oder ein Nacht-Erkältungspräparat für eine erholsame Nacht. Acht Stunden später wachen Sie auf und fühlen sich fit. Das Medikament kann jedoch noch in Ihrem System sein und einen subtilen „Hangover“-Effekt verursachen, der Urteilsvermögen und Reaktionszeit beeinträchtigt – selbst wenn Sie sich nicht aktiv müde fühlen.

Bei der ersten Einnahme eines neuen, müdemachenden Medikaments sollten Sie grundsätzlich davon ausgehen, dass Sie am nächsten Morgen nicht fahrtüchtig sind, bis Sie die individuelle Verträglichkeit kennen.

Meine nicht verhandelbaren Regeln für sicheres Fahren

Es geht darum, klare, verbindliche Regeln für sich selbst aufzustellen.

  1. Lesen Sie den Beipackzettel. Immer. Achten Sie auf Warnhinweise zu Schläfrigkeit, Schwindel oder dem Bedienen von Maschinen. Nehmen Sie sie ernst. Sie sind aus gutem Grund dort.
  2. Im Zweifel: Stehen lassen. Wenn Sie sich auch nur leicht „daneben“ fühlen, suchen Sie eine Alternative. Rufen Sie einen Freund, nutzen Sie einen Fahrdienst oder den Bus. Der Aufwand kann Leben retten.
  3. Sprechen Sie mit Ihrer Apothekerin. Sie ist eine wertvolle Informationsquelle. Fragen Sie direkt: „Darf ich mit diesem Medikament Auto fahren?“
  4. Mischen Sie nicht. Die Kombination von Alkohol oder anderen beruhigenden Substanzen mit einem bereits müdemachenden Medikament potenziert die Gefahr. Lassen Sie es einfach.

Ihre Fahrtüchtigkeit ist eine große Verantwortung. Achten Sie darauf – besonders, wenn Ihr wichtigster Passagier auf dem Rücksitz sitzt.