Wichtige Fakten
- Präzise formuliert: Eine Vollnarkose ist kein „Einschlafen“. Es handelt sich um einen kontrollierten Zustand der Bewusstlosigkeit. Ein entscheidender Unterschied.
- Während des Eingriffs bewegen Sie sich nicht, empfinden keine Schmerzen und erinnern sich an nichts. Die „Aufzeichnungsfunktion“ Ihres Gehirns ist ausgeschaltet.
- Ihr Narkosearzt (Anästhesist) ist ein spezialisierter Facharzt, dessen einzige Aufgabe während der Operation Ihre Sicherheit ist. Die gesamte Aufmerksamkeit gilt Ihnen.
- Die nüchterne Phase vor dem Eingriff ist notwendig. Sie dient dem Schutz Ihrer Lunge und ist eine verbindliche Sicherheitsvorschrift.
- Schläfrigkeit, Frösteln oder leichte Übelkeit beim Aufwachen sind übliche Begleiterscheinungen. Damit rechnen wir.
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Die Angst ist real. Nehmen wir sie ernst.
Die Szene aus Filmen ist bekannt. Der Patient liegt auf dem Tisch, eine Maske senkt sich, und eine Stimme sagt: „Jetzt zählen Sie rückwärts von 100.“ Meist ist man bei 97 weg. Dieser Moment des Loslassens, in dem man sein Bewusstsein einer anderen Person anvertraut, ist für viele beunruhigend. Ich habe in der Praxis die Hände unzähliger Frauen vor einem Notkaiserschnitt gehalten und diesen gleichen funkelnden Angstblick gesehen. Es ist in Ordnung, Angst zu haben. Es ist eine menschliche Reaktion auf das Unbekannte.
Mein Ziel ist, dieses Unbekannte etwas zu verringern. Den Vorhang vor diesem medizinischen Verfahren ein wenig zu lüften, damit Sie mit einem Gefühl von Ruhe und Vertrauen hineingehen können.
Es ist kein Schlaf. Es ist ein kontrollierter Ausschalter.
Zunächst eine wichtige Klarstellung: Man wird nicht einfach „einschlafen“. Schlaf ist ein natürlicher Zustand, in dem das Gehirn aktiv ist und man durch ein Geräusch geweckt werden kann. Eine Vollnarkose ist grundsätzlich anders. Es ist ein medikamentös herbeigeführter Zustand der Bewusstlosigkeit, in dem das Gehirn keine Sinneseindrücke verarbeitet oder Erinnerungen bildet. Eine Analogie: Schlaf ist der Energiesparmodus eines Computers. Die Vollnarkose hingegen ist, als würde man den Stromstecker ziehen. Es ist ein tiefer, schützender Zustand, der operative Eingriffe ermöglicht, ohne dass Sie davon etwas mitbekommen.
Ihr Narkosearzt: Ihr persönlicher Wächter
Während der Operateur konzentriert arbeitet, ist ein weiterer Arzt im Saal, dessen Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Ihr Narkosearzt (oder Anästhesiologe). Diese Person ist während des gesamten Eingriffs ausschließlich für Sie da.
Vor der Operation führt der Narkosearzt ein Gespräch mit Ihnen. Er erkundigt sich nach Ihrer Gesundheit, Allergien und früheren Narkoseerfahrungen. Seien Sie dabei absolut offen. Während des Eingriffs beobachtet er ununterbrochen die Überwachungsgeräte. Herzfrequenz, Atmung, Blutdruck, Sauerstoffsättigung – jeder Vitalparameter wird minutiös überwacht. Er steuert den Zustand Ihres Körpers und passt die Narkosetiefe kontinuierlich an, von der ersten bis zur letzten Naht. Sie sind in höchst kompetenten Händen.
Die essenziellen Regeln der Vorbereitung
Die nüchterne Phase vor der Operation. Niemand mag sie. Hunger und Durst vor einem Eingriff sind unangenehm. Diese Regel ist jedoch aus Sicherheitsgründen unverzichtbar. Der Grund: der Schutz Ihrer Lunge. Unter Narkose sind die Schutzreflexe Ihres Körpers ausgeschaltet. Befinden sich Speisereste oder Flüssigkeit im Magen, besteht das Risiko, dass sie in die Lunge gelangen. Dies kann eine schwerwiegende Form der Lungenentzündung verursachen. Die Anweisung „nach Mitternacht nichts mehr essen oder trinken“ ist daher strikt einzuhalten. Diese einfache Regel trägt wesentlich zu Ihrer Sicherheit bei.
Das langsame Zurückkehren: Wie das Aufwachen wirklich ist
Das Aufwachen erfolgt nicht schlagartig. Es ist ein allmählicher Prozess, wie das Durchdringen von Morgendunst. Sie werden wahrscheinlich im Aufwachraum zu sich kommen, wo eine Pflegekraft an Ihrer Seite ist. Folgende Empfindungen sind vollkommen normal:
- Benommenheit und Verwirrung: Die Erinnerung an die Operation fehlt oft. Genau das ist beabsichtigt.
- Frösteln und Kältegefühl: Die Narkose beeinflusst die Temperaturregulation. Warme Decken stehen bereit.
- Halsschmerzen: Falls ein Beatmungsschlauch verwendet wurde, kann der Hals für kurze Zeit gereizt sein.
– Übelkeit: Diese Nebenwirkung tritt häufig auf. Sie müssen sie nicht ertragen. Informieren Sie die Pflegekraft. Es gibt wirksame Medikamente dagegen.
Seien Sie nachsichtig mit sich. Ihr Körper hat viel geleistet. Ihre Aufgabe ist es nun, in diesem umnebelten, behüteten Zustand zu ruhen und sich versorgen zu lassen.