Wichtige Fakten
- Die wichtigste Regel bei Kinder-Medikamenten: Wir dosieren nach Gewicht, nicht nach Alter. Ein zierliches 4-jähriges Kind braucht eine andere Dosis als ein kräftiges 3-jähriges.
- Diese klebrige Einmalspritze in der Packung ist Ihr bester Freund. Ein Küchenlöffel ist Ihr Feind. Verwenden Sie das richtige Werkzeug.
- Die häufigste Ursache für unbeabsichtigte Vergiftungen bei Kleinkindern sind Medikamentenfehler. Das ist ein ernstes Thema.
- Meine unverrückbare Regel, die Sie jedem sagen sollten: Geben Sie niemals Aspirin an ein Kind, es sei denn, ein Arzt hat es Ihnen persönlich verordnet.
- Ihre übriggebliebenen Antibiotika sind nicht für die nächste Erkältung Ihres Kindes gedacht. Niemals.
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Ihr Basis-Paket: Die beiden wichtigsten Medikamente
Jeder kennt diese Situation: Mitten in der Nacht, ein Schrei weckt Sie und eine kleine, heiße Stirn ist zu fühlen. Der erste Impuls ist Sorge. Der zweite: „Wo sind die Medikamente?“ Ein einfaches, gut verstandenes Basis-Paket kann hier den entscheidenden Unterschied machen.
Bei den allermeisten Schmerzen und Fieberschüben, denen Ihr Kind begegnet, müssen Sie grundsätzlich nur zwei Medikamente kennen:
- Paracetamol (wie z.B. ben-u-ron): Das ist das Standardmittel. Es ist in der Regel für Babys ab einem Monat geeignet und wirkt bei leichten bis mäßigen Schmerzen und Fieber.
- Ibuprofen (wie z.B. Nurofen oder Ibuflam): Dies ist ein entzündungshemmendes Mittel (NSAR), das sich besonders bei Zahnungsschmerzen oder Schwellungen nach einem Stoß bewährt. Es wird in der Regel für Babys ab drei Monaten eingesetzt.
Mehr brauchen Sie für den Anfang nicht. Das ist Ihre Basisversorgung. Doch zu wissen, was Sie geben, ist nur die halbe Miete. Die Sicherheit liegt darin, wie Sie es geben.
Der häufigste Fehler, den Eltern machen
Wenn Sie sich nur eine Sache merken, dann bitte diese: Der folgenschwerste Fehler ist eine falsche Dosierung. Und es passiert erschreckend leicht.
Stellen Sie es sich wie beim Backen vor: Ein Rezept für eine große Torte erfordert viel mehr Zucker als eines für zwölf kleine Muffins. Ihr Kind ist ein Muffin. Sie können nicht das Tortenrezept verwenden. Die Dosierung muss sich am aktuellen Gewicht orientieren. Das Altersangabe auf der Packung ist nur eine grobe Richtlinie; das Gewicht ist entscheidend.
Und wie wird gemessen? Mit dem beigelegten Werkzeug. Mein größter Kritikpunkt ist, wenn Eltern zum Küchenlöffel greifen. Ein Teelöffel aus der Schublade fasst eine völlig andere Menge als ein medizinischer Messlöffel. Diese kleine Plastikspritze oder der Messbecher in der Packung? Sie sind speziell für eine genaue Dosierung konzipiert. Nutzen Sie sie. Jedes Mal. Eine falsche Dosis ist der schnellste Weg zu einer unbeabsichtigten Überdosierung.
Wenn Medikamente nicht die Lösung sind
Unsere Gesellschaft greift schnell zur Tablette. Doch manchmal ist das nicht der richtige Weg, besonders bei Kindern.
- Bei Schlafproblemen: Einem Kind ein sedierendes Antihistaminikum zu geben, damit es schläft, ist eine gefährliche, veraltete Praxis, die dringend abzuraten ist. Die Nebenwirkungen können unvorhersehbar und schädlich sein.
- Bei Verstopfung: Die erste Maßnahme ist immer, mehr Wasser und ballaststoffreiche Nahrung (Obst und Gemüse!) zu geben. Greifen Sie nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt zu Abführmitteln.
Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderkrankenschwester ist Ihr Partner in dieser Sache. Sprechen Sie mit ihnen, bevor Sie ein Problem medikamentös angehen, für das es eine einfachere und sicherere Lösung geben könnte.
Die „Auf keinen Fall“-Liste für Kinder-Medikamente
Jetzt kommt meine entschiedene Stimme zum Vorschein. Es gibt Dinge, die sollten Sie unterlassen.
- Aspirin. Das ist für mich absolut tabu. Geben Sie niemals Aspirin an ein Kind oder einen Jugendlichen, es sei denn, ein Facharzt hat es im Rahmen eines speziellen kardiologischen Protokolls verordnet. Es steht im Zusammenhang mit dem seltenen, aber verheerenden Reye-Syndrom. Einfach sein lassen.
- Husten- und Erkältungsmittel für Kleinkinder. Studien zeigen, dass sie bei kleinen Kindern (unter 6) kaum wirken und ernste Nebenwirkungen haben können. Sie werden nicht empfohlen.
- Verschreibungspflichtige Medikamente anderer Personen. Es ist egal, ob ein anderes Kind „genau die gleichen Symptome“ hatte. Verwenden Sie niemals ein verschriebenes Medikament, insbesondere kein Antibiotikum, das nicht ausdrücklich für Ihr Kind und diese spezifische Erkrankung verschrieben wurde.
Ein letzter Hinweis zur sicheren Aufbewahrung
Ihr Kleinkind ist ein weltklasse Entdecker und ein kleiner Wissenschaftler. Für es sieht eine kleine rote Pille faszinierend aus. Eine Flasche mit süßer pinker Flüssigkeit ist ein Schatz. Bitte bewahren Sie alle Medikamente, auch Vitamine, hoch und verschlossen auf. Nicht nur auf einem hohen Regal. In einer verschlossenen Box oder einem abschließbaren Schrank. Es dauert nur Sekunden und kann eine Tragödie verhindern.
Sie schaffen das. Ein sicherer Umgang mit Medikamenten bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, sorgfältig zu sein und sich an einige unverrückbare Regeln zu halten.