Wichtige Fakten
- Opioide sind für starke, akute Schmerzen gedacht, etwa nach einer Operation oder bei einem Knochenbruch. Bei chronischen Schmerzen wie ständigen Rückenschmerzen sind sie nicht das Mittel der ersten Wahl.
- Es handelt sich um hochwirksame Arzneimittel. Sie verändern die Schmerzwahrnehmung im Gehirn, bergen aber ein reales Risiko für eine Abhängigkeit und eine Überdosierung.
Die größte Gefahr ist eine verlangsamte Atmung. Daran kann eine Überdosis tödlich enden. Dieses Risiko wird durch Alkohol massiv verstärkt.
- Wer sie länger als einige Tage einnimmt, sollte sie nicht abrupt absetzen. Unter ärztlicher Anleitung muss die Dosis schrittweise reduziert werden, um schwere Entzugssymptome zu vermeiden.
- Naloxon ist ein Arzneistoff, der eine Opioid-Überdosis umkehren kann. Es ist vielerorts kostenlos erhältlich. Informieren Sie sich darüber.
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Wenn Schmerz ein Feueralarm ist
In meiner Praxis sitzen Mütter nach schwierigen Kaiserschnitten, deren Körper von Schmerzen geplagt werden, die weit über „Unwohlsein“ hinausgehen. Ich halte die Hände von Menschen mit krebsbedingten Schmerzen, die alles überlagern. Manchmal ist Schmerz nicht bloß lästig, sondern ein schriller Feueralarm im Gehirn, der alles andere übertönt. In solchen Momenten braucht es etwas, das diesen Lärm durchdringt und eine Pause verschafft. Dafür sind Opioide gedacht.
Medikamente wie Morphin, Oxycodon und Fentanyl sind für diese Art von starken, kurzfristigen (akuten) Schmerzen hochwirksame Werkzeuge. Sie sind ein Segen der modernen Medizin, die es Menschen ermöglichen, Operationen zu überstehen, sich von schweren Verletzungen zu erholen oder in der Palliativmedizin Linderung zu finden. Doch sie sind ein Werkzeug mit scharfer Schneide, das mit dem nötigen Respekt behandelt werden muss.
Wie sie den Alarm abschalten – und warum das gefährlich ist
Wie wirken sie also? Im Gegensatz zu einem Entzündungshemmer, der das Feuer an der Quelle löschen will, wirken Opioide direkt im Gehirn. Sie docken an spezifische Rezeptoren an und signalisieren dem Gehirn im Grunde: „Du kennst diesen Feueralarm? Ignoriere ihn einfach für eine Weile.“ Sie reparieren nicht den Knochenbruch, aber sie verändern die Schmerzwahrnehmung und machen ihn erträglich.
Die Kehrseite ist riskant. Dieselben Rezeptoren steuern auch andere lebenswichtige Funktionen, vor allem die Atmung. Bei Einnahme eines Opioids erhält der gesamte Organismus das Signal, herunterzufahren. Eine leichte Dämpfung kann sich beruhigend anfühlen. Eine zu starke jedoch kann die Atmung auf ein gefährlich flaches Niveau verlangsamen oder ganz stoppen. So kann eine Überdosierung tödlich enden.
Die rutschige Bahn: Von Toleranz zur körperlichen Abhängigkeit
Der menschliche Körper passt sich an. Werden Opioide über einen längeren Zeitraum eingenommen, gewöhnt sich das Gehirn daran. Es benötigt dann mehr von dem Wirkstoff, um die gleiche Schmerzlinderung zu erreichen. Dies wird als „Toleranz“ bezeichnet – eine physiologische Reaktion, noch keine Sucht.
Toleranz kann jedoch in eine „körperliche Abhängigkeit“ münden. Der Körper hat sich so sehr an das Medikament gewöhnt, dass er bei plötzlichem Absetzen mit Entzugssymptomen reagiert: Gliederschmerzen, Schweißausbrüche, Übelkeit, Angst. Es fühlt sich an wie eine schwere Grippe. Deshalb darf die Einnahme nicht abrupt beendet werden. Unter ärztlicher Aufsicht muss die Dosis langsam und schrittweise reduziert werden, um dem Körper Zeit zur Rückanpassung zu geben.
Die Sucht, also ein zwanghaftes Verlangen trotz schädlicher Folgen, ist ein weiterer Schritt. Nicht jeder, der Opioide einnimmt, entwickelt eine Sucht. Das Risiko besteht jedoch grundsätzlich.
Meine unkaputtbaren Regeln im Umgang mit Opioiden
Wer ein Opioid verschrieben bekommt, sollte sich an klare Regeln halten. Es gibt keine Ausnahmen.
- So kurz wie möglich. Ziel ist es, die schlimmste Schmerzphase zu überbrücken und sobald wie möglich auf ein sichereres Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen umzusteigen.
- Nur für Sie persönlich. Geben Sie niemals eine Tablette an einen Freund mit Rückenschmerzen weiter. Dessen Körper, eventuelle andere Medikamente und seine Toleranz sind anders gelagert. Das ist gefährlich.
- Sicher verwahren. Bewahren Sie diese Arzneimittel wie andere gefährliche Substanzen sicher auf, außerhalb der Reichweite von Kindern, Jugendlichen oder anderen Haushaltsmitgliedern.
- Kein Alkohol. Gar keiner. Die Kombination von Opioiden und Alkohol potenziert die Risiken. Beide Substanzen dämpfen die Atmung und können zusammen tödlich wirken.
Der Ernstfall: Wie eine Überdosis aussieht
Es ist wichtig, die Anzeichen zu kennen. Sie könnten ein Leben retten. Bei einer Opioid-Überdosierung ist die betroffene Person:
- Nicht ansprechbar oder nicht zu wecken.
- Die Atmung ist sehr langsam und flach, es können gurgelnde oder röchelnde Geräusche auftreten.
Die Haut ist kalt und feucht.
- Lippen und Fingernägel können sich bläulich oder gräulich verfärben.
Hierbei handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Rufen Sie sofort den Rettungsdienst. Informieren Sie sich über Naloxon (Narcan). Dieses Nasenspray oder diese Injektion kann eine Opioid-Überdosis umkehren. In vielen Regionen ist es in Apotheken ohne Rezept erhältlich, oft kostenlos. Fragen Sie Ihren Apotheker danach. Es ist ein wichtiges Notfallmittel für jeden Haushalt, in dem Opioide vorhanden sind.