Wichtige Fakten

  • Generika enthalten den exakt gleichen Wirkstoff in derselben Dosierung wie das Originalpräparat.
  • Vergleichen Sie es mit No-Name-Müsli und der Markenpackung. Der Inhalt ist identisch.
  • Sie sind günstiger, weil die Hersteller keine Kosten für die ursprüngliche Forschung und Werbung tragen müssen – nicht wegen minderer Qualität.
  • Sie können anders aussehen, etwa in Farbe oder Form. Rechtlich müssen sie im Körper jedoch genauso wirken.
  • Die Frage nach einem Generikum bei Arzt oder Apotheker ist eine der einfachsten Methoden, um Behandlungskosten zu senken.

Der Marken-Mythos, den wir alle glauben

Wir sind von klein auf darauf geprägt, dass der Markenname für bessere Qualität steht. Wir kaufen die Markenturnschuhe, die Markenlimonade, die Markenelektronik. Der höhere Preis scheint ein Garant für das bessere Produkt zu sein. In vielen Lebensbereichen mag das zutreffen. In der Welt der Medikamente jedoch, so muss ich klarstellen, handelt es sich größtenteils um einen Irrglauben.

In der Praxis sehe ich häufig, dass Familien sich mit den Kosten für ihre verschriebenen Medikamente schwer tun. Sie kaufen treu die Markenpackung, weil sie glauben, diese sei sicherer oder wirksamer für ihr Kind. Die Angst vor dem günstigeren Generikum als minderwertiger Nachahmung ist verständlich. Sie ist nach aktuellem regulatorischem Standard jedoch unbegründet.

Was genau ist ein Generikum?

Ein einfacher Vergleich hilft: Stellen Sie sich Müsli vor. Ein großes Unternehmen investiert Millionen in die Entwicklung, Zulassung und Werbung für ein neues Müsli namens „Knusperflakes“. Für viele Jahre hat es das alleinige Verkaufsrecht (durch ein Patent).

Läuft dieses Patent jedoch aus, darf der Supermarkt das Rezept nutzen und seine eigene Version als „Knusper-Mais“ anbieten. Es sind dieselben Zutaten, dieselbe Rezeptur. Nur die Verpackung ist schlichter und der Name weniger einprägsam. Es ist dasselbe Müsli.

Genau so ist es bei einem Generikum. Das Originalunternehmen hat die extrem kostspielige Arbeit der Wirkstoffentwicklung und -prüfung geleistet, etwa für Paracetamol. Nach Ablauf des Patents dürfen andere Hersteller Medikamente mit dem identischen Wirkstoff produzieren. Der Kern ist derselbe, nur die äußere Hülle und der Name sind anders.

Warum sind Generika so viel günstiger?

Die Erklärung ist einfach: Das Unternehmen, das das Generikum herstellt, musste keine Milliarden für Forschung und Entwicklung aufwenden. Es musste keine groß angelegten klinischen Studien durchführen und gibt kein Geld für Fernsehwerbung aus. Es stellt das Müsli her, ohne das Rezept oder das Konzept des Frühstücks erfinden zu müssen. Da die Kosten weit geringer sind, kann das Produkt zu einem deutlich niedrigeren Preis angeboten werden. Der Preisunterschied spiegelt also Unterschiede in den Geschäftskosten wider, nicht in Qualität oder Sicherheit.

Gleich, aber anders: Warum sie anders aussehen

Wenn der Wirkstoff derselbe ist, warum haben Generika dann oft eine andere Farbe oder Form? Der Grund liegt im Markenrecht. Das Unternehmen des Originalpräparats hat das Aussehen seiner Tablette schützen lassen, ähnlich wie ein Logo. Das Generika-Unternehmen muss daher eine optisch unterscheidbare Tablette herstellen.

Ausschlaggebend ist jedoch, was im Inneren steckt. Zulassungsbehörden wie die FDA in den USA oder das BfArM in Deutschland legen hier strenge Maßstäbe an. Ein Generikum muss nachweisen, dass es die gleiche Wirkstoffmenge in gleicher Geschwindigkeit in den Blutkreislauf abgibt wie das Markenprodukt. Es muss bioäquivalent sein. Das äußere Erscheinungsbild mag also variieren, die Wirkung im Körper ist nach den verfügbaren Daten dieselbe.

Die klügste Frage an Ihren Apotheker

Bei Ihrer nächsten Rezeptabgabe können Sie eine einfache Frage stellen: Gibt es dafür ein Generikum und kann ich es verwenden?

In den allermeisten Fällen lautet die Antwort Ja. Nur bei wenigen speziellen Arzneimitteln mit sehr engen therapeutischen Grenzen (etwa einige Medikamente gegen Epilepsie oder für die Schilddrüse) kann es medizinisch ratsam sein, bei einem bestimmten Präparat zu bleiben, um minimale Schwankungen zu vermeiden. Ihr Arzt wird Sie dann informieren. Für die große Mehrheit gängiger Medikamente – von Antibiotika über Cholesterinsenker bis zu Blutdruckmitteln – ist das Generikum eine ebenso sichere wie vernünftige Wahl.

Ein Generikum zu wählen, ist kein Geiz. Es ist das Verhalten eines informierten Patienten. So können Sie Kosten sparen, ohne auf Qualität oder Sicherheit verzichten zu müssen. In der oft komplizierten Welt der Gesundheitsausgaben ist das eine seltene Win-Win-Situation.