Wichtige Fakten
- Bereits ein einfacher Medikationsfehler kann für Angehörige zu einer ernsten Gefahr werden.
- Das Risiko steigt mit jedem Fläschchen und Pillendöschen im heimischen Arzneischrank.
- Die Einnahmehinweise von Arzt oder Apotheker sind unbedingt zu beachten.
- Alkohol, etwa ein Glas Wein, kann mit vielen Medikamenten gefährlich interagieren. Die Kombination mit Opioiden ist besonders riskant.
- Im Verdachtsfall einer Überdosierung ist sofortige Hilfe erforderlich. Zögern Sie nicht.
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Was ist eine Überdosierung?
Der heimische Medizinschrank kann unübersichtlich werden. Neben Mitteln gegen Erkältungen, Salben und Schmerztabletten sammelt sich mit der Zeit vieles an. In der ärztlichen Praxis erlebe ich oft, wie vor allem Eltern damit überfordert sind, den Überblick über die eigene Medikation und die der Kinder zu behalten.
Eine versehentliche Überdosierung ist selten dramatisch inszeniert, wie im Fernsehen. In der Regel handelt es sich um einen schlichten Fehler. Ein Irrtum, wie die Einnahme der falschen Tablette bei Nacht, kann ein hilfreiches Arzneimittel in eine Gefahr verwandeln. Das Wissen um potenzielle Risiken ist der erste Schritt zur Prävention.
Häufige (und unterschätzte) Fehlerquellen
Solche Fehler können jedem unterlaufen. Oft ist es eine Verkettung kleiner Missverständnisse. Diese Situationen treten besonders häufig auf:
Der „Aber es ist eine andere Packung!“-Fehler
Sie haben Präparat X gegen Kopfschmerzen und Präparat Y für Grippesymptome. Sie sehen völlig unterschiedlich aus. Tatsächlich enthalten beide den Wirkstoff Paracetamol. So kann unbeabsichtigt eine doppelte Dosis eingenommen werden. Diese Verwechslung wird in der Praxis am häufigsten beobachtet.
Die „Maximal-Stärke“-Überraschung
Sie greifen zur gewohnten Medikamentenpackung, übersehen aber den Hinweis „Maximal“ oder „24-Stunden“ auf der Vorderseite. Plötzlich enthält eine Tablette eine deutlich höhere Wirkstoffkonzentration als erwartet.
Das „Nur ein kleines Löffelchen“-Dilemma
Dies ist ein klassisches Risiko bei der Medikamentengabe an Kleinkinder. Der haushaltsübliche Teelöffel aus der Schublade ist kein präzises Messinstrument. Die Differenz zwischen diesem Löffel und der beigepackten Dosierspritze kann für einen kleinen Körper eine riskant hohe Menge bedeuten.
Die „Kleinkind-Exploration“
Kinder sind neugierig. Bunte Tabletten können für sie wie Bonbons aussehen. Ein heruntergefallenes Medikament oder eine kurzzeitig offen gelassene Flasche stellt eine erhebliche Gefahrenquelle dar.
Warnzeichen, die Sie ernst nehmen müssen
Wenn die folgenden Symptome auftreten, ist umgehendes Handeln geboten. Zögern Sie in einem solchen Fall nicht und wählen Sie den Notruf (112 in Deutschland und der EU).
Bei Erwachsenen sind Warnzeichen:
- Plötzliche Verwirrtheit, extreme Schläfrigkeit oder ungewöhnliche Unruhe.
- Kalte, feuchte Haut.
- Bläuliche Verfärbung der Lippen oder Fingerspitzen.
- Stark verengte Pupillen („Stecknadelkopf-Pupillen“).
- Krampfanfälle.
- Bewusstlosigkeit. Schnarch- oder Gurgelgeräusche sind ein alarmierendes Zeichen für eine gefährdete Atemwege.
Bei Kindern können sich Hinweise anders äußern:
- Unerklärliches Erbrechen.
- Ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Schwierigkeiten, das Kind zu wecken.
- Symptome, die einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) ähneln.
Besonders risikoreiche Medikamente
Grundsätzlich kann jedes Arzneimittel in falscher Dosierung gefährlich sein. Diese Gruppen sind jedoch besonders klinisch relevant.
Opioide: Starke verschreibungspflichtige Schmerzmittel. Das Risiko einer Überdosierung steigt deutlich in Kombination mit Alkohol oder auch mit einigen Antidepressiva.
Paracetamol: Das gängige Schmerz- und Fiebermittel ist eine häufige Ursache für lebensbedrohliche Leberschäden bei Überdosierung, nicht zuletzt wegen seiner weiten Verbreitung in Kombipräparaten.
Diabetes-Medikamente: Für Menschen mit Diabetes kann eine überhöhte Insulindosis lebensbedrohlich sein. Für Personen ohne Diabetes ist die Einnahme dieser Medikamente äußerst gefährlich.
Notfallplan: Was tun im Ernstfall?
Bewahren Sie zunächst Ruhe. Bei Verdacht auf eine Überdosierung und wenn die Person bewusstlos ist, Krampfanfälle hat oder Atembeschwerden zeigt, ist das Vorgehen klar:
- Wählen Sie sofort den Notruf (112).
- Bleiben Sie in der Leitung und befolgen Sie die Anweisungen der Rettungsleitstelle.
- Wenn bekannt, halten Sie die Medikamentenpackung bereit, um sie dem Rettungspersonal zu zeigen. Suchen Sie nicht lange danach, wenn Sie sie nicht sofort finden.
- Lagern Sie die Person in die stabile Seitenlage, während Sie auf Hilfe warten.
Ist die Person bei Bewusstsein und es geht ihr augenscheinlich gut, Sie haben aber eine falsche Dosierung bemerkt, wenden Sie sich an die Vergiftungsinformationszentrale (Giftnotruf). In Deutschland erreichen Sie diese unter verschiedenen regionalen Nummern, z.B. 030-19240 in Berlin. Dort erhalten Sie kompetente und besonnene Anleitung.
Den Arzneischrank sicher organisieren
Einige grundlegende Gewohnheiten können die Sicherheit im Haushalt deutlich erhöhen.
- Wirkstoffcheck: Lesen Sie die Liste der „Wirkstoffe“ auf jeder Packung. Dies ist der effektivste Schutz vor versehentlicher Doppeleinnahme.
- Medikationsliste führen: Eine einfache Liste, digital oder am Kühlschrank, mit allen regelmäßig eingenommenen Mitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln für jede Person schafft Übersicht.
– Medikamente sicher verwahren: In Haushalten mit Kindern ist ein abschließbarer Medikamentenschrank unerlässlich. Alle Arzneimittel gehören hoch und unzugänglich aufbewahrt.
- Verschreibungen nicht teilen: Ein für Sie verschriebenes Medikament ist auf Ihre Situation abgestimmt. Für andere kann es ungeeignet oder gefährlich sein.
Es geht nicht um Perfektion, sondern um Vorbereitung. Einige klare Regeln im Umgang mit Medikamenten tragen wesentlich zur Sicherheit aller im Haushalt bei.