Wichtige Fakten

  • Im Alter verändert sich die Verarbeitung von Medikamenten. Eine Dosis, die mit 60 Jahren passend war, kann mit 80 zu hoch sein.
  • Je mehr Tabletten eingenommen werden („Polypharmazie“), desto höher ist das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen.
  • Eine große Sorge sind Stürze. Schwindel und Verwirrtheit durch Medikamente sind häufige Ursachen für folgenschwere Stürze.
  • Das wichtigste Hilfsmittel ist eine aktuelle Medikamentenliste. Dieses Dokument sollten Sie gemeinsam erstellen.
  • Ein kostenloser Home Medicines Review bringt einen Apotheker nach Hause. Diese Überprüfung kann entscheidend sein.

Die Sandwich Generation: Eine reale Belastung

In meiner Praxis spreche ich viel mit jungen Eltern über ihre Babys. Doch oft wechselt das Gespräch. Die Sorge in ihren Augen gilt dann nicht mehr dem Schlaf des Kindes, sondern der Vergesslichkeit der eigenen Mutter. Oder dem besorgten Anruf des Vaters, der unsicher ist, ob er seine Herzmedikamente eingenommen hat. Es ist der Alltag der „Sandwich-Generation“ – die eigene Familie zu versorgen, während man langsam auch die Rolle der pflegenden Tochter oder des pflegenden Sohns übernimmt.

Im Zentrum dieser Sorge stehen fast immer mehrere Pillenschachteln. Der Medizinschrank wird zur Quelle großer Verunsicherung. Hat sie die Tabletten genommen? Hat er zu viele genommen? Sind es überhaupt noch die richtigen? Lassen Sie uns hier ansetzen. Sie können nicht alles kontrollieren, aber diesen Teil ihres Lebens deutlich sicherer gestalten.

Warum es plötzlich riskant wird

Sie fragen sich vielleicht: „Mein Vater nimmt sein Blutdruckmittel seit 20 Jahren. Wo ist jetzt das Problem?“ Das Problem ist, dass der Körper mit 75 Jahren nicht mehr derselbe ist wie mit 55. Die Fähigkeit, Arzneistoffe zu verarbeiten und auszuscheiden, nimmt ab. Leber und Nieren arbeiten weniger effizient. Das bedeutet, Medikamente können länger im Körper verbleiben und ihre Wirkung kann stärker und unberechenbarer werden.

Hinzu kommt die reine Anzahl der Präparate. Eine Tablette für den Blutdruck, eine für das Cholesterin (Statine), eine für Diabetes, eine gegen Arthrose, ein Opioid für die Rückenschmerzen… Schnell werden es eine Handvoll Tabletten am Tag. Bei fünf oder mehr gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln steigt das Risiko für ungünstige Wechselwirkungen erheblich.

Die große Sorge: Stürze, Verwirrtheit und der Verlust von Selbstständigkeit

Wovor haben wir wirklich Angst? Vor dem Anruf, der uns mitteilt, Mutter oder Vater sei gestürzt. Viele verbreitete Medikamente – von Antidepressiva über Schlafmittel bis hin zu manchen Allergietabletten – können als Nebenwirkung Schwindel, Koordinationsstörungen und Verwirrtheit auslösen.

Für einen älteren Menschen ist ein einfacher Schwindelanfall kein kleines Missgeschick. Es kann ein gebrochenes Hüftgelenk, ein Krankenhausaufenthalt und der Beginn eines Verlusts an Selbstständigkeit bedeuten. Die Medikamente zu managen, dient nicht nur der Behandlung der Grunderkrankung, sondern auch der Prävention eines solchen folgenschweren Sturzes.

Ihr Aktionsplan: Drei konkrete Schritte für diese Woche

Wirkt das überwältigend? Es muss nicht sein. Hier sind drei klare, wirksame Schritte, um mehr Sicherheit zu schaffen.

  1. Erstellen Sie die Masterliste. Das ist Ihr neues Standardwerk. Setzen Sie sich mit Ihren Eltern und allen ihren Medikamenten zusammen – verschreibungspflichtige Mittel, Vitamine, „natürliche“ Nahrungsergänzungen, Augentropfen, alles. Schreiben Sie auf: Name, Dosis, Grund der Einnahme und welcher Arzt es verordnet hat. Diese eine Liste ist Ihr mächtigstes Werkzeug. Bewahren Sie eine Kopie in Ihrer Brieftasche und auf dem Handy auf. Im Notfall ist es das erste Dokument, das Sie im Krankenhaus vorlegen.
  2. Beantragen Sie einen Home Medicines Review. Das ist eine der wertvollsten und am wenigsten genutzten Dienstleistungen. Bitten Sie den Hausarzt Ihrer Eltern um eine Überweisung. Ein speziell geschulter Apotheker kommt zu ihnen nach Hause, prüft jedes einzelne Präparat und identifiziert Probleme, Doppelverordnungen und Risiken. Er erstellt einen Bericht für den Arzt. Dieser kostenlose, expertengeführte Sicherheitscheck ist unschätzbar wertvoll.
  3. Fragen Sie in der Apotheke nach Wochenblistern. Wenn die richtige Einnahmezeit das Hauptproblem ist, erkundigen Sie sich nach der Möglichkeit einer wöchentlichen Blisterverpackung (auch Webster-Pack genannt). Die Medikamente sind dort nach Wochentag und Tageszeit sortiert – Frühstück, Mittag, Abend, Nacht. Das nimmt den Druck aus dem Raten und gibt allen Beteiligten Sicherheit.

Ein Gedanke zum Schluss: Sie sind ihr wichtigster Fürsprecher

Es mag sich anfühlen, als würden Sie nerven oder sich einmischen. Das tun Sie nicht. Sie übernehmen die Rolle eines liebevollen und verantwortungsbewussten Fürsprechers. Die behandelnden Ärzte Ihrer Eltern sind oft im Zeitdruck und wissen vielleicht nicht, dass ein anderer Facharzt ein neues Medikament verordnet hat. Sie, mit Ihrer Masterliste und Ihrer Anteilnahme, sind die zentrale Koordinationsstelle. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, aber auch eine der bedeutendsten.