Was ist chronischer Alkoholismus?
Chronischer Alkoholismus oder Alkoholgebrauchsstörung ist eine chronisch verlaufende, rückfallgefährdete Erkrankung des Gehirns. Kennzeichnend sind ein zwanghaftes Trinkverhalten, ein Kontrollverlust über die aufgenommene Alkoholmenge und ein belastender negativer Gefühlszustand, wenn kein Alkohol konsumiert wird. Die Störung unterscheidet sich von starkem, aber nicht abhängigkeitstypischem Trinken oder gelegentlichem Rauschtrinken, weil sie mit grundlegenden Veränderungen in den Schaltkreisen des Gehirns einhergeht.
Beschreibung der Erkrankung
Der Übergang von riskantem Alkoholkonsum zu chronischem Alkoholismus verläuft oft stufenweise: von problematischem Konsum über Missbrauch bis hin zur Abhängigkeit. Die Abhängigkeit ist unter anderem durch Toleranz gekennzeichnet, also durch das Bedürfnis, mehr Alkohol zu trinken, um dieselbe Wirkung zu erreichen, sowie durch körperliche Entzugssymptome, wenn der Konsum reduziert oder beendet wird. Die Erkrankung gilt als primäre, chronische Krankheit, bei deren Entstehung und Ausprägung genetische, psychosoziale und umweltbezogene Faktoren zusammenwirken.
Ursachen
Die Entstehung von chronischem Alkoholismus ist vielschichtig. Meist ist es das Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Einflüsse, das im Lauf der Zeit zur Erkrankung führt. Eine einzelne Ursache reicht in der Regel nicht aus. Es handelt sich nicht um ein moralisches Versagen und auch nicht schlicht um mangelnde Willenskraft.
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Genetische Veranlagung:
Eine familiäre Vorbelastung gehört zu den stärksten Risikofaktoren. Menschen mit einem Elternteil oder Geschwister mit Alkoholgebrauchsstörung entwickeln die Erkrankung deutlich häufiger. Das spricht für eine erbliche Komponente, die unter anderem beeinflusst, wie das Gehirn Alkohol verarbeitet und als belohnend erlebt.
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Veränderungen der Gehirnchemie:
Langfristiger Alkoholkonsum stört das Gleichgewicht wichtiger Botenstoffe im Gehirn, insbesondere von GABA, Glutamat und Dopamin. Diese Veränderungen fördern weiteres Trinken, schwächen die Impulskontrolle und tragen sowohl zum zwanghaften Konsum als auch zu den belastenden Gefühlen während des Entzugs bei.
- Begleitende psychische Erkrankungen: Erkrankungen wie Depression, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung oder chronischer Stress stehen häufig mit Alkoholgebrauchsstörungen in Zusammenhang. Alkohol wird anfangs mitunter als Form der Selbstmedikation genutzt, was in eine Abhängigkeit übergehen kann.
Risikofaktoren
Mehrere Faktoren können die Anfälligkeit für eine Alkoholgebrauchsstörung erhöhen. Diese Risiken wirken oft kumulativ. Je mehr davon zusammenkommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Störung entwickelt. Ihr Verständnis kann helfen, frühe Warnzeichen besser zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.
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Früher Beginn des Alkoholkonsums:
Wer bereits in der Jugend mit Alkohol beginnt, besonders mit wiederholtem Rauschtrinken, hat ein deutlich erhöhtes lebenslanges Risiko. Das gilt vor allem deshalb, weil sich das Gehirn in dieser Phase noch entwickelt.
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Sozialer Druck und leichte Verfügbarkeit:
Kulturelle Normen, die starkes Trinken fördern, Gruppendruck und ein leichter Zugang zu Alkohol können problematische Konsummuster begünstigen, aus denen sich mit der Zeit eine Abhängigkeit entwickeln kann.
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Trauma oder Missbrauch in der Vorgeschichte:
Menschen mit körperlichen, seelischen oder sexuellen Gewalterfahrungen tragen ein deutlich höheres Risiko für Suchterkrankungen, einschließlich chronischen Alkoholismus, weil Alkohol als Bewältigungsstrategie eingesetzt werden kann.
