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Prostatakrebs

Prostatakrebs

Prostatakrebs

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Er entsteht, wenn sich Zellen in der Prostata unkontrolliert vermehren. Viele Tumoren wachsen langsam und verursachen über Jahre hinweg keine spürbaren Beschwerden. Es gibt jedoch auch aggressive Formen, die sich ausbreiten können. Deshalb ist eine rechtzeitige Abklärung besonders wichtig. Dieser Leitfaden bietet sachliche Informationen zu Symptomen, Risikofaktoren, diagnostischen Verfahren wie dem PSA-Test und dem Gleason-Score sowie zu verschiedenen Behandlungswegen. Er dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei persönlichen gesundheitlichen Fragen sollten Sie sich immer an eine qualifizierte medizinische Fachperson wenden.

Prostatakrebs: Medizinische Informationen – kein Ersatz für ärztliche Beratung

Was ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs ist eine bösartige Erkrankung der Prostata, einer kleinen, walnussförmigen Drüse des Mannes, die einen Teil der Samenflüssigkeit produziert. Die Erkrankung entsteht, wenn normale Zellprozesse aus dem Gleichgewicht geraten und sich Zellen abnormal und unkontrolliert vermehren.

Beschreibung der Erkrankung

Prostatakrebs entsteht meist in den Drüsenzellen der Prostata und wird in den meisten Fällen als Adenokarzinom eingeordnet. Charakteristisch ist sein sehr unterschiedliches biologisches Verhalten. Viele Tumoren wachsen langsam und werden möglicherweise nie lebensbedrohlich. Andere verlaufen deutlich aggressiver. Wichtig ist die klare Abgrenzung zu gutartigen oder entzündlichen Prostataerkrankungen. So handelt es sich bei Prostatitis um eine Entzündung der Prostata, häufig infolge einer Infektion, während die benigne Prostatahyperplasie, also BPH, eine nicht krebsbedingte Vergrößerung darstellt. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Beschwerden überschneiden können, die Ursachen und Behandlungen aber unterschiedlich sind.

Ursachen

Die genaue Ursache von Prostatakrebs ist bisher nicht eindeutig geklärt. Nach heutigem medizinischem Verständnis entsteht die Erkrankung durch ein Zusammenspiel genetischer Veränderungen in Prostatazellen sowie weiterer Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Diese Veränderungen führen dazu, dass Zellen sich unkontrolliert vermehren und länger überleben als gesunde Zellen. So kann ein Tumor entstehen, der mit der Zeit in benachbartes Gewebe einwächst oder sich in andere Körperregionen ausbreitet.

  • Genetische und zelluläre Veränderungen:

    Auslöser sind Veränderungen im Erbgut einzelner Prostatazellen. Diese Mutationen können vererbt oder im Laufe des Lebens erworben werden. Betroffen sind unter anderem Gene, die Zellwachstum, Zellteilung und Reparaturmechanismen steuern, etwa Tumorsuppressorgene wie BRCA1 oder BRCA2 sowie andere krebsrelevante Signalwege.

  • Hormonelle Einflüsse:

    Androgene, also männliche Geschlechtshormone wie Testosteron, fördern das Wachstum vieler Prostatakrebszellen. Der Tumor kann diese Hormone gewissermaßen als Wachstumsantrieb nutzen. Darauf beruht auch der Einsatz der Androgendeprivationstherapie, also der Hormontherapie, bei bestimmten Krankheitsverläufen.

Risikofaktoren

Auch wenn die Ursachen vielschichtig sind, gibt es bestimmte nicht beeinflussbare Merkmale, die das statistische Risiko deutlich erhöhen. Das Wissen über diese Faktoren ist wichtig, um informierte Entscheidungen über Vorsorge und Abklärung treffen zu können.

  • Alter:

    Das Risiko steigt deutlich ab dem 50. Lebensjahr. Etwa 60 Prozent der Fälle werden bei Männern im Alter von 65 Jahren oder älter diagnostiziert.

  • Ethnische Herkunft:

    Afroamerikanische Männer haben weltweit eine besonders hohe Erkrankungsrate. Im Vergleich zu weißen Männern ist auch das Sterberisiko deutlich erhöht.

  • Familienanamnese und Genetik:

    Wenn Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt sind, erhöht sich das Risiko deutlich. Es steigt weiter, wenn mehrere nahe Verwandte betroffen sind oder wenn die Diagnose in jüngeren Jahren gestellt wurde. Auch vererbte genetische Veränderungen, etwa in BRCA-Genen, können das Risiko erhöhen.

Hauptsymptome

In frühen, auf die Prostata begrenzten Stadien verursacht Prostatakrebs oft keine Beschwerden. Gerade deshalb spielt die Früherkennung bei Männern mit erhöhtem Risiko eine wichtige Rolle. Wenn Symptome auftreten, hängen sie häufig damit zusammen, dass der Tumor auf die Harnröhre drückt oder sich bereits in andere Körperbereiche ausgebreitet hat. Wichtig ist: Diese Beschwerden sind nicht typisch nur für Krebs. Häufiger liegen andere Ursachen zugrunde, etwa bakterielle Prostatitis oder eine gutartige Prostatavergrößerung. Neue oder anhaltende Beschwerden beim Wasserlassen sollten immer medizinisch abgeklärt werden.
  • Veränderungen beim Wasserlassen:

    Dazu gehören ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, häufiges Wasserlassen, besonders nachts, plötzlicher Harndrang, Schwierigkeiten beim Beginnen oder Beenden des Wasserlassens sowie das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können.

  • Blut im Urin oder im Sperma:

    Blut im Urin oder Blut im Ejakulat kann vorkommen, gehört jedoch nicht zu den häufigsten frühen Zeichen.

  • Erektionsstörungen: Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, können im Zusammenhang mit Prostatakrebs stehen, wenn Nervenstrukturen betroffen sind. Sehr viel häufiger liegen jedoch andere Ursachen vor. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Leitfaden zu erektiler Dysfunktion.
  • Knochenschmerzen:

    Anhaltende, oft dumpfe Schmerzen im Rücken, in den Hüften, Rippen oder anderen Knochen können ein Hinweis darauf sein, dass sich der Krebs ausgebreitet hat. Die Beschwerden sind nachts oft stärker.

  • Unerklärlicher Gewichtsverlust und Erschöpfung:

    Deutlicher Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache und ausgeprägte Müdigkeit können Anzeichen einer fortgeschrittenen Erkrankung sein.

Wichtige Warnsignale

Einige Beschwerden können auf einen medizinischen Notfall oder auf eine weit fortgeschrittene Erkrankung hinweisen und müssen umgehend behandelt werden. In solchen Situationen sollte die Abklärung nicht aufgeschoben werden.

  • Akuter Harnverhalt:

    Wenn plötzlich gar kein Wasserlassen mehr möglich ist und gleichzeitig starke Schmerzen im Unterbauch auftreten, handelt es sich um einen urologischen Notfall.

  • Starke oder zunehmende Knochenschmerzen:

    Neue heftige Knochenschmerzen oder eine plötzliche deutliche Verschlechterung chronischer Schmerzen können auf einen krankheitsbedingten Knochenbruch oder auf ausgedehnte Metastasen hinweisen.

  • Neurologische Symptome:

    Schwäche oder Taubheitsgefühle in Beinen oder Füßen sowie der Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm können auf eine Rückenmarkskompression durch Metastasen hindeuten. Das ist ein dringender Notfall.

Diagnoseverfahren

Die Diagnose von Prostatakrebs erfolgt in mehreren Schritten. Am Anfang stehen die Einschätzung des persönlichen Risikos und erste Untersuchungen. Erst wenn die Diagnose gesichert ist und das biologische Verhalten des Tumors besser eingeschätzt werden kann, lässt sich ein passender Behandlungsweg festlegen. Dieser Prozess hilft auch dabei, Prostatakrebs von anderen Erkrankungen aus dem weiteren Bereich der Krebserkrankungen und von gutartigen Prostataerkrankungen abzugrenzen.
  • PSA-Bluttest:

    Der PSA-Test misst die Konzentration des prostataspezifischen Antigens im Blut. Ein erhöhter Wert kann auf Krebs hinweisen, aber auch bei BPH, Prostatitis oder anderen Einflüssen vorkommen. Der Test ist ein Instrument zur Früherkennung und Abklärung, ersetzt aber keine endgültige Diagnose.

  • Digitale rektale Untersuchung:

    Bei dieser Untersuchung tastet eine Ärztin oder ein Arzt die Prostata mit einem behandschuhten Finger über den Enddarm ab, um nach verhärteten Bereichen oder Knoten zu suchen.

  • Prostatabiopsie:

    Wenn die Untersuchungsbefunde auffällig sind, wird in der Regel eine Biopsie empfohlen. Dabei werden mit einer feinen Nadel mehrere kleine Gewebeproben aus der Prostata entnommen, meist unter Ultraschall- oder MRT-Steuerung. Diese Proben werden anschließend durch eine pathologische Untersuchung beurteilt.

  • Gleason-Score und Grade Group:

    Die Pathologie vergibt auf Grundlage der Gewebestruktur einen Gleason-Score zwischen 6 und 10. Je höher der Wert, desto aggressiver und schneller wachsend ist der Tumor in der Regel. Zur besseren Einordnung wird dieser Befund häufig zusätzlich in eine Grade Group von 1 bis 5 übersetzt.

  • Bildgebung zum Staging:

    Wenn Krebs nachgewiesen wurde, können Untersuchungen wie CT, MRT oder eine Knochenszintigrafie eingesetzt werden, um zu prüfen, ob und wohin sich der Tumor ausgebreitet hat. Daraus ergibt sich das klinische Stadium von I bis IV.

Behandlungsoptionen

Die Behandlung wird individuell geplant. Entscheidend sind unter anderem das Tumorstadium, der Gleason-Score, der PSA-Wert, das Alter des Patienten und sein allgemeiner Gesundheitszustand. Die Möglichkeiten reichen von engmaschiger Überwachung bis zu einer unmittelbaren aktiven Therapie. Ein offenes Gespräch über mögliche Nebenwirkungen, darunter Erektionsstörungen und Harninkontinenz, gehört unbedingt zur Entscheidungsfindung dazu.

  • Aktive Überwachung:

    Bei sehr langsam wachsenden Tumoren mit niedrigem Risiko kann eine sofortige Behandlung mehr Nachteile als Vorteile haben. In diesen Fällen werden regelmäßige PSA-Kontrollen, rektale Untersuchungen und in bestimmten Abständen erneute Biopsien durchgeführt, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Eine Behandlung wird erst begonnen, wenn sie medizinisch notwendig wird.

  • Radikale Prostatektomie: Dabei wird die gesamte Prostata zusammen mit einem Teil des umgebenden Gewebes operativ entfernt. Der Eingriff kann offen oder robotisch-assistiert minimalinvasiv durchgeführt werden. Für viele Patienten ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein. Eine urologische Einordnung finden Sie in unserem Beitrag Straight Talk on Prostatectomy.
  • Strahlentherapie:

    Hierbei werden hochenergetische Strahlen eingesetzt, um Krebszellen zu zerstören. Die Behandlung kann von außen erfolgen oder durch in die Prostata eingebrachte radioaktive Quellen, was als Brachytherapie bezeichnet wird.

  • Androgendeprivationstherapie:

    Diese Form der Hormontherapie senkt die Spiegel männlicher Geschlechtshormone oder blockiert deren Wirkung auf Tumorzellen. Sie wird häufig eingesetzt, wenn sich der Krebs ausgebreitet hat oder nach einer ersten Behandlung erneut auftritt.

  • Chemotherapie und andere systemische Therapien:

    Diese Behandlungsformen kommen vor allem bei metastasierter Erkrankung zum Einsatz, wenn der Tumor auf Hormontherapie nicht mehr ausreichend anspricht. Hinzu kommen moderne Ansätze wie zielgerichtete Therapien und Immuntherapien.

Sofortmaßnahmen

Wenn Beschwerden oder Untersuchungsbefunde bei Ihnen oder Ihrem Arzt Anlass zur Sorge geben, hilft ein strukturiertes Vorgehen dabei, die Situation klar einzuordnen.

  • Medizinische Beratung einholen:

    Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer hausärztlichen Praxis oder bei einer urologischen Fachperson, um Beschwerden, Risikofaktoren und die Frage einer sinnvollen Abklärung zu besprechen.

  • Empfohlene Untersuchungen durchführen lassen:

    Wenn dazu geraten wird, sollten PSA-Test und rektale Untersuchung durchgeführt werden. Aus Angst oder Scham sollten diese Standarduntersuchungen nicht aufgeschoben werden.

  • Bei gesicherter Diagnose fachärztliche Beratung nutzen:

    Wenn Prostatakrebs festgestellt wurde, ist ein Gespräch mit einem interdisziplinären Team sinnvoll. Daran können Urologie, Strahlentherapie und Onkologie beteiligt sein, damit alle Behandlungsoptionen verständlich besprochen werden.

  • Offen über Nebenwirkungen sprechen: Bevor Sie sich für einen Behandlungsweg entscheiden, sollte klar besprochen werden, welche Auswirkungen auf Harnfunktion, Darmfunktion und Sexualfunktion möglich sind. Hilfreich zur Vorbereitung kann auch dieser Leitfaden zu Nebenwirkungen sein.
  • Ruhe bewahren:

    Viele Beschwerden, die mit Prostatakrebs in Verbindung gebracht werden, haben auch weniger schwerwiegende Ursachen, zum Beispiel eine gutartige Prostatavergrößerung oder eine Infektion. Eine Abklärung ist wichtig, aber nicht jedes Symptom bedeutet automatisch Krebs.

  • Bei Unsicherheit eine Zweitmeinung einholen:

    Wenn Sie sich mit den Ergebnissen oder Empfehlungen unsicher fühlen, kann eine zweite fachärztliche Einschätzung sinnvoll sein. So erhalten Sie eine fundiertere Grundlage für Ihre Entscheidung.

Strategien zur Risikoreduktion

Es gibt keine nachgewiesene Möglichkeit, Prostatakrebs sicher zu verhindern. Bestimmte Lebensstilfaktoren können jedoch dazu beitragen, das allgemeine Krebsrisiko zu senken und die Gesundheit insgesamt zu fördern. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Risikoreduktion und echter Prävention. Diese Maßnahmen können das Risiko möglicherweise beeinflussen, bieten aber keine Garantie.

  • Gesundes Körpergewicht halten:

    Adipositas steht mit einem erhöhten Risiko für aggressivere Formen von Prostatakrebs in Zusammenhang. Ein gesundes Gewicht durch Ernährung und Bewegung zu erreichen und zu halten, ist daher sinnvoll.

  • Herzgesunde Ernährung:

    Empfohlen wird eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Einige Studien deuten darauf hin, dass sehr fettreiche Ernährungsweisen das Risiko erhöhen könnten, während gekochte Tomaten und Kreuzblütler möglicherweise günstig wirken. Die Datenlage ist jedoch nicht eindeutig.

  • Regelmäßige Bewegung:

    Körperliche Aktivität bringt zahlreiche gesundheitliche Vorteile mit sich und könnte auch das allgemeine Krebsrisiko senken.

Möglichkeiten der Prävention

Der wichtigste Schritt im Umgang mit dem Risiko für Prostatakrebs ist weniger die klassische Prävention als vielmehr die informierte Früherkennung.

  • Informierte Entscheidungen zur Früherkennung:

    Männer mit durchschnittlichem Risiko sollten ab etwa 50 Jahren mit einem Arzt besprechen, welche möglichen Vorteile und Grenzen ein PSA-Screening hat. Für Männer mit erhöhtem Risiko, etwa afroamerikanische Männer oder Männer mit familiärer Vorbelastung, kann dieses Gespräch bereits zwischen 40 und 45 Jahren sinnvoll sein. Früherkennung kann Krebs in einem Stadium aufdecken, in dem er besser behandelbar ist.

  • Medikamente zur Risikoreduktion:

    Bei einzelnen Männern mit sehr hohem Risiko können 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid das Gesamtrisiko senken, an Prostatakrebs zu erkranken. Gleichzeitig wird diskutiert, ob bei diesen Medikamenten das Risiko für höhergradige Tumoren leicht ansteigen könnte. Eine solche Entscheidung sollte nur nach ausführlicher urologischer Beratung getroffen werden.

  • Beschwerden im Zusammenhang mit der Prostata ernst nehmen: Wenn Harnwegsbeschwerden frühzeitig abgeklärt werden, kann das die Lebensqualität verbessern und zu einer richtigen Diagnose beitragen. Medikamente wie Generic Flomax (Tamsulosin) werden bei Beschwerden durch BPH eingesetzt, verhindern jedoch keinen Krebs.

Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet, dass die Prostata vermehrt dieses Eiweiß ins Blut abgibt. Eine mögliche Ursache ist Prostatakrebs, aber sehr viel häufiger liegen andere Gründe vor, etwa eine gutartige Prostatavergrößerung, eine Prostataentzündung, ein kürzlich gelegter Harnkatheter oder sogar starke Belastungen wie intensives Radfahren. Ein erhöhter PSA-Wert muss weiter abgeklärt werden, ist aber für sich allein keine Krebsdiagnose.

Der Gleason-Score ist ein Bewertungssystem, mit dem die Aggressivität von Prostatakrebs anhand des Biopsiegewebes eingeschätzt wird. Dabei werden die zwei häufigsten Zellmuster im Präparat beurteilt und zu einer Gesamtpunktzahl zwischen 6 und 10 zusammengefasst. Ein Wert von 6 steht für einen niedriggradigen Tumor, 7 für einen mittleren Grad und 8 bis 10 für eine hochgradige, aggressivere Erkrankung. Zusammen mit Stadium und PSA-Wert ist dieser Befund zentral für die Wahl der Behandlung.

Nicht unbedingt. Erektionsstörungen gehören zu den häufigen Nebenwirkungen nach Prostatektomie oder Strahlentherapie, weil Nerven und Blutgefäße beeinträchtigt werden können. Eine Erholung ist jedoch möglich und kann sich über bis zu zwei Jahre oder länger hinziehen. Dieser Prozess wird oft als penilen Rehabilitation bezeichnet und kann Medikamente, Hilfsmittel oder Injektionen umfassen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag Sex After Prostate Cancer: A Urologist's Guide to Your New Normal.

Die aktive Überwachung ist eine anerkannte Behandlungsstrategie für Männer mit sehr niedrigem oder niedrigem Risiko. Dabei wird der Tumor mit regelmäßigen PSA-Tests, rektalen Untersuchungen und wiederholten Biopsien eng kontrolliert, während eine sofortige Operation oder Bestrahlung zunächst vermieden wird. Für ausgewählte Patienten gilt dieses Vorgehen als sicher und medizinisch etabliert, weil viele niedriggradige Tumoren so langsam wachsen, dass sie über lange Zeit keinen Schaden verursachen. Ziel ist es, Nebenwirkungen einer Behandlung nur dann in Kauf zu nehmen, wenn sie wirklich erforderlich wird.

Zusätzliche Informationen

Historische Einordnung: Die radikale Prostatektomie, also die vollständige operative Entfernung der Prostata, wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchgeführt, war damals aber mit schweren Komplikationen verbunden. Die moderne anatomische nervenschonende Technik, die in den 1980er Jahren von Dr. Patrick Walsh entwickelt wurde, veränderte das Verfahren grundlegend. Sie verringerte den Blutverlust deutlich und verbesserte die Chancen, Erektionsfähigkeit und Harnkontinenz zu erhalten.

Abgrenzung ähnlicher Erkrankungen: Prostatakrebs, Prostatitis und BPH können ähnliche Beschwerden beim Wasserlassen verursachen und dadurch leicht verwechselt werden. Prostatitis ist eine Entzündung, oft schmerzhaft und manchmal infektiös. BPH ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata, die den Urinabfluss behindern kann. Prostatakrebs ist dagegen ein bösartiger Tumor. Eine sichere Unterscheidung ist nur durch eine medizinische Untersuchung möglich, gegebenenfalls mit PSA-Test und Biopsie.

Leben nach der Behandlung – Rehabilitationsmöglichkeiten: Wenn Erektionsstörungen nach der Therapie auf orale Medikamente nicht ausreichend ansprechen, gibt es weiterführende Möglichkeiten. Trimix-Injektionen sind eine wirksame Behandlungsoption. Dabei wird ein individuell abgestimmtes Medikament direkt in den Penis injiziert, um eine zuverlässige Erektion zu ermöglichen. Diese Methode wird häufig dann eingesetzt, wenn andere Erstlinienbehandlungen nicht ausreichen.

Prostatakrebs umfasst ein breites Spektrum – von langsam wachsenden Tumoren, die über Jahre hinweg kontrolliert werden können, bis hin zu aggressiven Formen, die eine rasche und kombinierte Behandlung erfordern. Grundlage jeder guten Versorgung ist eine präzise Diagnose mit PSA-Test, Biopsie und Gleason-Score, gefolgt von einem individuell abgestimmten Behandlungsplan, der gemeinsam mit Fachärztinnen und Fachärzten entwickelt wird. Patienten sollten die möglichen Vorteile und Risiken aller Optionen genau kennen, auch im Hinblick auf die Lebensqualität nach der Behandlung. Die laufende Forschung verbessert die Diagnostik und Therapie kontinuierlich und eröffnet die Aussicht auf noch bessere Ergebnisse in der Zukunft.

Referenzen und medizinische Quellen

  1. American Cancer Society. Key Statistics for Prostate Cancer. https://www.cancer.org/cancer/types/prostate-cancer/about/key-statistics.html. Überarbeitet am 12. Januar 2023. Abgerufen im Mai 2024.
  2. National Comprehensive Cancer Network (NCCN). NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology (NCCN Guidelines®) for Prostate Cancer. Version 4.2023. https://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/prostate.pdf. Abgerufen im Mai 2024.
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  4. van Leenders GJLH, et al. The 2019 International Society of Urological Pathology (ISUP) Consensus Conference on Grading of Prostatic Carcinoma. Am J Surg Pathol. 2020;44(8):e87-e99. doi:10.1097/PAS.0000000000001497. Quelle ansehen
  5. American Urological Association (AUA). Clinically Localized Prostate Cancer: AUA/ASTRO/SUO Guideline. https://www.auanet.org/guidelines/guidelines/prostate-cancer-clinically-localized-guideline. 2017. Abgerufen im Mai 2024.

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