Unterschiedliche Symptome führen zu Unterdiagnose

Jugendliche Jungen leiden vermehrt unter Depressionen und Angststörungen, ähnlich wie Mädchen. Ihre Probleme werden jedoch seltener erkannt und behandelt. Kathleen Ethier von der US-Gesundheitsbehörde CDC weist darauf hin, wie wichtig es ist, die psychische Gesundheit von Jungen nicht zu übersehen. In der medizinischen Praxis zeigen Jungen oft nicht die klassischen Symptome einer Depression wie Traurigkeit. Stattdessen können Reizbarkeit, Aggression oder eine niedrige Frustrationsgrenze im Vordergrund stehen.

Besorgniserregender Trend bei Medikamentenverschreibungen

Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Pediatrics verdeutlicht eine auffällige Entwicklung: Während die Verschreibungen von Antidepressiva für Mädchen und junge Frauen gestiegen sind, ist die Rate bei jungen Männern seit Beginn der Pandemie zurückgegangen. Dieser Rückgang deutet nach Einschätzung von Fachleuten darauf hin, dass männliche Jugendliche das Gesundheitssystem seltener in Anspruch nehmen. In der Folge werden psychische Probleme bei Jungen seltener erfasst.

Gesellschaftliche Mythen erschweren die Erkennung

Dr. Lauren Teverbaugh erklärt, dass depressive Jungen häufig nicht dem stereotypen Bild entsprechen. Symptome wie Impulsivität und risikoreiches Verhalten werden nicht immer mit einer Depression in Verbindung gebracht. Zudem verschleiert die verbreitete Annahme, jugendliche Reizbarkeit sei grundsätzlich normal, oft den Blick auf mögliche psychische Erkrankungen.

Auswirkungen der Pandemie auf die Inanspruchnahme

Während der Pandemie führte der Wegfall schulischer und sportlicher Aktivitäten zu weniger Überweisungen von Jungen an Fachleute für psychische Gesundheit. Dieser Umstand hat die Situation nach Einschätzung von Experten verschärft. Fachleute wie Dr. Mai Uchida raten Eltern, ihre Söhne dabei zu unterstützen, Emotionen auszudrücken und gesunde Wege zum Umgang mit Gefühlen zu finden.

Gleiche Belastung, andere Manifestation

Ein aktueller CDC-Bericht hob zwar die schwere emotionale Belastung bei Mädchen hervor, doch Experten betonen, что Jungen in ähnlichem Maße leiden. Der Schlüssel liege darin, nicht-traditionelle Symptome zu erkennen. Entscheidend ist ein unterstützendes Umfeld, in dem Jungen ihre psychischen Herausforderungen ansprechen und bewältigen können.