Männer sterben weltweit sehr viel häufiger an chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes, obwohl sie in ähnlichem Maße daran erkranken wie Frauen. Eine im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte globale Studie identifiziert dafür systemische Gründe im Gesundheitswesen und geschlechtsspezifische Verhaltensmuster.

Klaffende Lücke zwischen Erkrankung und Tod

Die Analyse von Gesundheitssystemdaten aus Dutzenden Ländern zeigt ein klares Muster auf dem gesamten „Gesundheitspfad“. Zwar entwickeln Männer und Frauen Bluthochdruck oder Diabetes mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit. Bei Männern ist es jedoch wahrscheinlicher, dass diese Erkrankungen unerkannt bleiben, unbehandelt verlaufen und schließlich zum Tod führen. Ein ähnlicher Trend wurde für HIV/AIDS beobachtet.

„Wir beobachten ein Muster, bei dem Männer durch die Raster fallen“, sagte Dr. Angela Chang, Hauptautorin der Studie. Der Grund liege nicht allein in der Biologie, sondern in der Ausgestaltung der Versorgung.

Verhaltensrisiken und gesellschaftliche Normen

Die Studie untersuchte auch spezifische Risikofaktoren. In 86 % der untersuchten Länder rauchten Männer signifikant mehr als Frauen – ein wesentlicher Treiber für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Frauen waren dagegen in 65 % der Länder häufiger von Adipositas betroffen, einem Hauptrisikofaktor für Diabetes.

Diese Verhaltensmuster werden laut Experten durch gesellschaftliche Geschlechternormen geprägt. Sie beeinflussen, wie Menschen mit dem Gesundheitssystem interagieren. Frauen nehmen in der Regel häufiger Vorsorgeuntersuchungen wahr und halten sich an Behandlungspläne. Männer suchen oft erst Hilfe, wenn sich ihr Zustand bereits erheblich verschlechtert hat.

Forderung nach einem geschlechtssensiblen Ansatz

Die Autoren der Studie fordern einen nuancierteren Ansatz in der Medizin, der über eine reine „Einheitslösung“ hinausgeht. Gesundheitssysteme müssten geschlechtssensitive Screening- und Behandlungsleitlinien integrieren, die die realen Lebensumstände und Verhaltensweisen von Patienten widerspiegeln.

„Die Medizin muss aufhören, die Unterinanspruchnahme von Versorgung durch Männer als persönliches Versagen zu betrachten“, so Dr. Chang. Stattdessen müsse dies als ein systemisches Problem angegangen werden, das mit gezielten Maßnahmen gelöst werden könne. Angesichts des globalen Anstiegs chronischer Krankheiten sehen Experten in dieser Anpassung eine dringende Notwendigkeit.