Neuer Ansatz zur Risikobewertung
Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass ein erweiterter Bluttest das 30-Jahres-Risiko einer Person für Herzerkrankungen abschätzen könnte. Bisher stützen Ärzte die Bewertung des kardiovaskulären Risikos in der Regel auf die Messung des Cholesterinspiegels, vor allem des LDL-Cholesterins. Dieser Ansatz kann jedoch andere bedeutende Risikofaktoren übersehen.
Zusätzliche Biomarker geben Aufschluss
Die unter Leitung von Dr. Paul Ridker vom Brigham and Women’s Hospital durchgeführte Studie unterstreicht die Bedeutung weiterer Biomarker. Dazu zählen Lipoprotein(a) – eine bestimmte Art von Blutfett – und das C-reaktive Protein (CRP) als Entzündungsmarker. In Kombination ermöglichen diese Werte eine umfassendere Bewertung des Risikos für Herzerkrankungen, Schlaganfall und koronare Herzkrankheit.
Studiendesign und Ergebnisse
Die Forschenden analysierten Daten von fast 30.000 Frauen aus der Women’s Health Study und verfolgten ihren Gesundheitszustand über einen Zeitraum von 30 Jahren. Es zeigte sich, dass erhöhte Spiegel von LDL-Cholesterin, Lipoprotein(a) und CRP starke Prädiktoren für das Herzerkrankungsrisiko waren. Frauen mit den höchsten Werten dieser Marker erlitten deutlich häufiger schwerwiegende Herzprobleme.
Früherkennung und klinische Praxis
Fachleute betonen den Nutzen einer frühzeitigen Erkennung. Traditionelle Risikofaktoren wie Übergewicht und hohe Cholesterinwerte sind wichtig. Tests auf Lipoprotein(a) und CRP können jedoch Risiken identifizieren, die sonst nicht erkannt würden. In der medizinischen Praxis wird diskutiert, ob Personen ab einem Alter von 30 oder 40 Jahren von einem solchen kombinierten Bluttest profitieren könnten. Dies könnte helfen, Risiken früh zu erkennen und gegebenenfalls medizinische Maßnahmen einzuleiten, die über Lebensstiländerungen hinausgehen.
Weiterer Forschungsbedarf
Die Studie hebt das Potenzial dieser Biomarker hervor, weist aber auch auf die Notwendigkeit weiterer Forschung hin. Dies gilt besonders für die Untersuchung diverserer Bevölkerungsgruppen. Nach aktuellem Kenntnisstand sind die Ergebnisse vielversprechend. Zukünftige Studien könnten jedoch die Auswahl der für eine effektive Risikovorhersage geeigneten Biomarker noch verfeinern.