Aktuelle Veröffentlichungen legen erste Ergebnisse aus zwei Studien zur Behandlung des Glioblastoms vor. Dieser aggressive Gehirntumor wird in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium identifiziert. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt nach verfügbaren Daten bei etwa 10 Prozent. Seit 20 Jahren sind nach Aussage von Fachleuten keine neuen wirksamen Medikamente für diese Erkrankung zugelassen worden.
Studienaufbau und Therapieansatz
Die beiden klein angelegten Studien schlossen insgesamt neun Patientinnen und Patienten ein. Sie nutzten einen neuartigen Ansatz, der auf einer bestehenden Therapie für Blutkrebs basiert: die CAR-T-Zelltherapie. Dabei werden Immunzellen der Betroffenen so verändert, dass sie spezifische Proteine auf Tumorzellen erkennen und angreifen. Anschließend werden sie dem Körper zurückgegeben.
In der medizinischen Praxis ist die CAR-T-Therapie bei einheitlichen Blutkrebsarten etabliert. Bei soliden Tumoren wie dem Glioblastom gestaltet sich die Anwendung komplexer, unter anderem wegen der Heterogenität der Krebszellen. Beide Studien setzten auf CAR-T-Zellen, die zwei Proteine gleichzeitig ins Visier nehmen, um die Wirksamkeit zu erhöhen.
Details zu den durchgeführten Studien
Eine der Studien, publiziert im New England Journal of Medicine, behandelte drei Personen. Die eingesetzten T-Zellen zielten auf das EGFR-Protein und eine Variante davon ab, die in Glioblastomen häufig vorkommen. Die Verabreichung erfolgte direkt in die Cerebrospinalflüssigkeit, was einen gezielteren Ansatz darstellt als die intravenöse Gabe.
Die zweite Studie, veröffentlicht in Nature Medicine, umfasste sechs Patientinnen oder Patienten mit einem zurückgekehrten Glioblastom. Auch hier kam eine lokalisierte Verabreichung zum Einsatz, kombiniert mit einer vorangehenden Strahlentherapie.
Beobachtete Effekte und Einschränkungen
In beiden Studien zeigte sich eine Verkleinerung der Tumore. Zudem stieg die Anzahl der aktiven CAR-T-Zellen in der Rückenmarksflüssigkeit an. Die beobachteten Effekte hielten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum an. Nach aktuellem Kenntnisstand sind die Studiengruppen zu klein, um endgültige Schlüsse zu ziehen. Größere und längere Studien sind grundsätzlich erforderlich, um die Langzeitwirksamkeit und Sicherheit zu bestätigen.
Ausblick auf weitere Forschung
Beide Forschungsprojekte werden mit angepassten Ansätzen fortgeführt. Ein möglicher Weg ist die Kombination der CAR-T-Therapie mit etablierten Methoden wie Strahlen- oder Chemotherapie. Andere Forschungsgruppen prüfen den parallelen Einsatz von Krebsimpfstoffen. Die laufende Arbeit zielt darauf ab, das Verfahren so zu verfeinern, dass es eine praktikable Behandlungsoption für das Glioblastom werden könnte. Bis dahin ist es ein längerer Forschungsweg.