Die Hinzunahme einer Immuntherapie zur Standardbehandlung vor einer Operation könnte die Prognose für Patientinnen mit einer bestimmten, sehr häufigen Form von Brustkrebs verbessern. Dies legen die Ergebnisse einer internationalen Phase-3-Studie nahe, die im Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde.

Signifikante Steigerung des pathologischen Ansprechens

In der Studie erhielten 510 Patientinnen mit östrogenrezeptorpositivem (ER+), HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium vor der Operation entweder eine Standard-Chemotherapie plus das Immuntherapeutikum Nivolumab oder Chemotherapie plus ein Placebo.

Das zentrale Ergebnis war die Rate des pathologischen vollständigen Ansprechens (pCR), also das Fehlen von nachweisbaren Krebszellen im Operationspräparat. In der Gruppe mit Nivolumab lag diese Rate bei 25 %, in der Placebogruppe bei 14 %. Besonders stark war der Effekt bei Tumoren, die das Protein PD-L1 in höherer Menge aufwiesen, was den zu erwartenden Wirkmechanismus der Therapie unterstreicht.

Wirkmechanismus und klinische Bedeutung

Nivolumab ist ein sogenannter Immun-Checkpoint-Inhibitor, der den PD-1-Rezeptor auf Immunzellen blockiert. Dadurch wird die körpereigene Abwehr in die Lage versetzt, die Krebszellen effektiver zu erkennen und zu bekämpfen. Die Verabreichung vor der Operation (neoadjuvant) zielt darauf ab, das Immunsystem frühzeitig zu aktivieren und eventuell verbliebene, mikrometastatische Zellen zu eliminieren.

Die Studie, die vom Hersteller des Medikaments finanziert wurde, liefert erste vielversprechende Daten für den Einsatz einer Immuntherapie bei dieser Brustkrebs-Subgruppe, die bisher als weniger immunogen galt. Ob sich der beobachtete Vorteil auch in einem längeren krankheitsfreien Überleben niederschlägt, müssen weitere Nachbeobachtungen zeigen. Die Ergebnisse tragen zu den aktuellen Diskussionen über sich wandelnde Behandlungsparadigmen in der Onkologie bei.