Erste Studienergebnisse zur Gewichtsreduktion

Ein neues Schlankheitsmedikament in Tablettenform von Novo Nordisk mit dem Namen Amycretin hat in einer frühen Phase-1-Studie eine Gewichtsreduktion von bis zu 13,1 % nach drei Monaten gezeigt. Diese vorläufigen Daten wurden auf einer Tagung der European Association for the Study of Diabetes in Spanien vorgestellt.

Die Ergebnisse deuten nach Einschätzung von Fachleuten auf eine möglicherweise schnellere Wirkung im Vergleich zu einigen bereits verfügbaren Medikamenten hin. Dr. Christopher McGowan, Gastroenterologe, merkte an, dass die beobachtete Gewichtsabnahme in der Studie etwa doppelt so hoch ausfiel wie bei aktuellen GLP-1-Agonisten. Er sprach von vielversprechenden Ergebnissen.

Dr. Susan Spratt, Endokrinologin bei Duke Health, bezeichnete die Daten als bemerkenswert. Alle beteiligten Experten betonen jedoch den vorläufigen Charakter der Ergebnisse. Ein direkter Vergleich mit anderen zugelassenen Schlankheitsmitteln fand nicht statt, und die Daten sind noch nicht in einem Fachjournal mit Peer-Review veröffentlicht. Weitere Forschung ist grundsätzlich nötig, um die Wirkung und Sicherheit über einen längeren Zeitraum zu bestätigen.

Wirkmechanismus und Studiendesign

Martin Lange von Novo Nordisk erläuterte, dass Amycretin ähnlich wie der Wirkstoff Semaglutid (in Wegovy und Ozempic) wirken soll. Es ahmt Hormone nach, die den Appetit reduzieren und das Sättigungsgefühl steigern.

In der Phase-1-Studie nahmen Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas bis zu zwölf Wochen lang entweder Amycretin oder ein Placebo ein. Einige Teilnehmer erhielten dabei steigende Dosen. Primär wurde die Sicherheit des Wirkstoffs bewertet. In der Gruppe mit der höchsten Dosis verloren die Teilnehmer im Durchschnitt 13,1 % ihres Ausgangsgewichts. In der Placebogruppe lag der Gewichtsverlust bei 1,1 %.

Laut Hersteller scheint das Medikament ein vergleichbares Sicherheitsprofil zu haben wie andere Medikamente dieser Klasse. Genannte Nebenwirkungen waren unter anderem Übelkeit und Magenprobleme. Eine Phase-2-Studie für Personen mit Typ-2-Diabetes wurde begonnen.

Fragen zu Nebenwirkungen und Nachhaltigkeit

Trotz der positiven frühen Daten äußerten Experten auch Bedenken. Dr. McGowan wies auf die Bedeutung nachhaltiger Methoden zur Gewichtserhaltung hin. Eine sehr schnelle Gewichtsabnahme werfe Fragen auf, etwa zum Erhalt der Muskelmasse. Er wünschte sich detailliertere Informationen zu den genauen Ursachen des Gewichtsverlusts und den Nebenwirkungen.

Dr. Spratt äußerte Interesse daran, zu verstehen, wie viel des verlorenen Gewichts auf Fett- und wie viel auf Muskelmasse zurückzuführen ist. Ein Verlust an Muskelmasse kann den Glukosestoffwechsel beeinträchtigen. Weitere Details, etwa zu Abbruchquoten in der Studie, werden nach aktuellem Kenntnisstand in künftigen Veröffentlichungen erwartet.

Zusammenfassend zeigen die verfügbaren Daten ein klinisch relevantes Potenzial der neuen Tablette. Die medizinische Praxis benötigt jedoch umfassendere und längerfristige Studien, um Nutzen und Risiken für einen breiteren Einsatz eindeutig zu bewerten.