Ein persönlicher Fall: Schwangerschaft und Parvovirus
Die 27-jährige Sonderpädagogin Abby Parks aus Springfield, Illinois, kannte Parvovirus nicht, bis sie Ende April grippeähnliche Symptome entwickelte. Bald folgten Gelenkschmerzen und ein Ausschlag. Die damals in der 18. Schwangerschaftswoche befindliche Parks hatte über Tage Fieber. Tests auf Covid-19 und Streptokokken waren negativ.
Eine Schulkrankenschwester, die bei mehreren Schülern stark gerötete Wangen bemerkt hatte, vermutete, dass Parks an derselben Krankheit litt. „Es wurde immer schlimmer“, erinnert sich Parks. „Ich war vier oder fünf Tage mit Fieber bettlägerig.“
Anfang Mai bestätigte ein Bluttest beim Frauenarzt die Infektion mit Parvovirus B19. Sie wurde an einen Spezialisten für Mutter-Kind-Medizin überwiesen. Dieser stellte fest, dass das Virus den Fötus infiziert und eine Anämie verursacht hatte – ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand. Der Fötus erhielt noch im Mutterleib eine Bluttransfusion.
Aktuelle Warnung und Verbreitung des Virus
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat kürzlich eine Warnung herausgegeben. Sie fordert Gesundheitsdienstleister auf, wachsam gegenüber Anzeichen dieses hoch ansteckenden saisonalen Virus zu sein. Die Fälle von Parvovirus B19, allgemein als Ringelröteln oder „Ohrfeigenkrankheit“ bekannt, nehmen in den USA zu.
Nach Angaben der CDC treten die meisten Infektionen bei Kindern zwischen 5 und 9 Jahren auf. Seit März verbreitet sich das Virus laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten auch in Europa ungewöhnlich stark.
Die meisten Erwachsenen sind durch eine Infektion in der Kindheit immun. Die CDC warnt jedoch, dass schwangere Frauen und Personen mit Sichelzellenanämie, die noch nicht exponiert waren, ein Risiko für schwerere Verläufe haben.
Medizinische Risiken für Schwangere und den Fötus
Dr. Kathy Bligard, Frauenärztin am Barnes Jewish Hospital in St. Louis, berichtet von mehreren aktuellen Fällen. „Früher sah ich das vielleicht einmal alle paar Jahre, aber in den letzten Monaten bin ich auf mehrere Fälle gestoßen.“
Parvovirus kann die Plazenta passieren, den Fötus infizieren und eine schwere Anämie verursachen, die zum Tod des Fötus führen kann. Das Virus beeinträchtigt die Fähigkeit des Fötus, neue rote Blutkörperchen zu bilden. Diese sind für die Sauerstoffversorgung der Organe wichtig. Ein Mangel kann zu Herzversagen führen.
Während sich Parks von der Virusinfektion erholt hat, bleibt die Schwangerschaft riskant. Eine spätere Ultraschalluntersuchung zeigte, dass der Fötus nicht genug Blut von der Plazenta erhielt. Parks wurde zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus aufgenommen. „Ich glaube, die frühere Transfusion hat das Leben des Fötus gerettet“, sagt Parks. „Wenn die Anämie angedauert hätte, hätte das Baby sterben können.“
Symptome und Verlauf der Ringelröteln
Bei Kindern verläuft die Krankheit in der Regel mild. Oft treten Fieber und Atemwegssymptome auf, gefolgt von einem charakteristischen roten Ausschlag auf den Wangen und später einem spitzenartigen, juckenden Ausschlag am Körper. Der Ausschlag zeigt sich gegen Ende der Krankheit und klingt innerhalb von sieben bis zehn Tagen ab, kann aber auch mehrere Wochen sichtbar bleiben. Wichtig ist: Sobald der Ausschlag auftritt, ist die Person in der Regel nicht mehr ansteckend.
Der Ausschlag kann sich bei Hitze und Sonnenlicht verstärken, что die Infektion selbst aber nicht verschlimmert. Erwachsene, die sich anstecken, können schwerere Symptome wie Gelenkschmerzen und Anämie entwickeln.
Schwangere Frauen, die Symptome wie Gelenkschmerzen bemerken oder wissen, dass sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten, sollten ihren Arzt kontaktieren.
Hintergrund: Die „Fünfte Krankheit“
Im frühen 20. Jahrhundert listeten Ärzte sechs häufige Kinderkrankheiten mit Ausschlag auf, um die Diagnose zu erleichtern. Dazu gehörten:
- Masern
- Scharlach
- Röteln (German Measles)
- Filatow-Dukes (wird nicht mehr als eigenständige Krankheit angesehen)
- Ringelröteln (Parvovirus B19), auch „Fünfte Krankheit“ genannt
- Roseola („Sechste Krankheit“)
Dieses Nummerierungssystem ist heute größteils außer Gebrauch, die Bezeichnung „Fünfte Krankheit“ für Ringelröteln hat sich jedoch gehalten.
Abby Parks befindet sich nun in der 30. Schwangerschaftswoche und wird intensiv überwacht. Sie wünscht sich, dass andere schwangere Frauen sich des Virus bewusst sind und bei einem Verdacht auf Kontakt einen Test in Erwägung ziehen. „Das war die schwierigste Erfahrung“, sagt Parks. „Das Überleben des Fötus war aufgrund der Anämie nicht garantiert.“