Medikament für junge Kinder mit Adipositas untersucht

Eine neue Studie hat das Schlankheitsmittel Liraglutid bei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren mit Adipositas untersucht. Die Forschung, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, ist die erste dieser Art für diese Altersgruppe. Sie wurde auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Madrid vorgestellt.

Begrenzte Behandlungsoptionen für junge Kinder

Für jüngere Kinder mit Adipositas waren die Behandlungsmöglichkeiten bislang sehr begrenzt und konzentrierten sich in der Regel auf Ernährung und Bewegung. Neuere Medikamente wie Wegovy und Zepbound sind für diese Altersgruppe nicht zugelassen. Dr. Claudia Fox, Co-Direktorin des Center for Pediatric Obesity Medicine an der University of Minnesota, sieht in den Studienergebnissen eine wichtige Perspektive. Ohne Behandlung bestehe kindliche Adipositas oft bis ins Erwachsenenalter fort und erhöhe das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes.

Studiendesign und Ergebnisse

Liraglutid ist seit 2014 für Erwachsene und seit 2020 für Jugendliche zugelassen. In der aktuellen Studie erhielten 56 von 82 teilnehmenden Kindern mit hohem BMI tägliche Injektionen von Liraglutid zusammen mit einer Beratung zu Lebensstiländerungen. Die andere Gruppe erhielt ein Placebo. Das durchschnittliche Gewicht der etwa zehnjährigen Kinder lag zu Studienbeginn bei 70 Kilogramm.

Über einen Zeitraum von etwa einem Jahr sank der BMI in der Liraglutid-Gruppe um 5,8 %. In der Placebogruppe stieg der BMI hingegen um 1,6 % an. Der Unterschied zwischen den Gruppen betrug damit 7,4 Prozentpunkte. Nach aktuellem Kenntnisstand kann eine BMI-Reduktion von 5 % zu Verbesserungen bei adipositasbedingten Gesundheitsproblemen führen.

Nebenwirkungen und Langzeitfragen

Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen wurden in der Liraglutid-Gruppe häufiger gemeldet. Die Symptome ließen in der Regel mit der Zeit nach. Bemerkenswert ist, dass der BMI tendenziell wieder anstieg, nachdem die Medikation abgesetzt wurde.

Experten weisen darauf hin, что die langfristigen Auswirkungen auf das Wachstum von Kindern noch weiter untersucht werden müssen. Simon Cork, Senior Lecturer für Physiologie an der Anglia Ruskin University, erklärt, die Entwicklung solcher Medikamente für Kinder sei aufgrund der aktiven Wachstumsphase komplex. Appetitunterdrückung könne Risiken bergen. Die vorhandenen Belege für Wirksamkeit und Sicherheit seien vielversprechend, doch seien Langzeitstudien nötig, um mögliche Auswirkungen auf die Entwicklung zu bewerten.