Für Frauen mit Multipler Sklerose (MS) sind Schwangerschaft und Zeit nach der Geburt mit einem deutlich erhöhten Risiko für psychische Gesundheitsprobleme verbunden. Das zeigt eine große kanadische Studie, die im Fachjournal Neurology veröffentlicht wurde.

Deutlich höhere Raten während und nach der Schwangerschaft

Forscher analysierten Daten von fast 900.000 Müttern, darunter über 1.700 mit MS. Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Kluft: Während der Schwangerschaft berichteten 42 % der Frauen mit MS von psychischen Problemen, verglichen mit 30 % der Frauen ohne MS. Innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt stieg der Anteil in der MS-Gruppe auf 50 % an.

Zudem entwickelten Frauen mit MS häufiger eine erstmals diagnostizierte psychische Erkrankung in dieser Zeit. Das Risiko für eine Neudiagnose lag im ersten Jahr nach der Entbindung bei 14 %, gegenüber 11 % bei Frauen ohne MS.

Breites Spektrum psychischer Erkrankungen

Das erhöhte Risiko betraf nahezu alle erfassten Krankheitsbilder, darunter Angststörungen und Depressionen, bipolare Störungen und Psychosen. Besonders auffällig war der Anstieg bei Substanzmissbrauch nach der Geburt, der bei Frauen mit MS von 0,5 % auf 6 % sprang.

Mögliche Gründe für das erhöhte Risiko

Die Studienautoren um Dr. Ruth Ann Marrie führen mehrere Faktoren an. Die hormonellen und immunologischen Veränderungen während der Schwangerschaft und im Wochenbett können eine bereits durch MS bestehende Vulnerabilität verstärken. Hinzu kommt der emotionale Stress, eine chronische Erkrankung parallel zu den Anforderungen der Mutterschaft zu bewältigen.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines proaktiven Screenings und einer integrierten Versorgung. Die Studienautorin betont, dass behandelnde Ärzte sich dieser Risiken bewusst sein und die psychische Gesundheit schwangerer MS-Patientinnen regelmäßig evaluieren sollten.