Der Wirkstoff Semaglutid, bekannt aus der Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas, wird nun für seine Wirkung auf eine spezielle Lebererkrankung untersucht. Eine internationale klinische Studie der Phase 3 liefert erste positive Daten zur Behandlung der metabolisch assoziierten Steatohepatitis (MASH).

Studiendesign und zentrale Ergebnisse

Die im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie umfasste über 800 Patientinnen und Patienten mit bioptisch gesicherter MASH. Über 72 Wochen erhielt ein Teil der Probanden wöchentlich Semaglutid injiziert, der andere Teil ein Placebo.

Die Ergebnisse zeigen, dass unter Semaglutid fast zwei Drittel der Behandelten eine Rückbildung der Leberentzündung bei stabiler Fibrose erlebten. Bei etwas mehr als einem Drittel verbesserte sich auch die Narbenbildung in der Leber. In der Placebogruppe erreichten diese kombinierten Endpunkte lediglich 16 % der Teilnehmenden.

Wirkmechanismus: Gewichtsreduktion als Schlüsselfaktor

Ein begleitender, signifikanter Gewichtsverlust von durchschnittlich 10,5 % unter Semaglutid gilt als ein wahrscheinlicher Hauptfaktor für die beobachteten Leberschäden. Experten vermuten, dass viele Vorteile indirekt über die Verbesserung des Stoffwechsels und die Reduktion von Entzündungen vermittelt werden, nicht durch eine direkte Wirkung des Medikaments auf das Lebergewebe.

Neben dem Gewichtsverlust verbesserten sich in der Verumgruppe auch Parameter wie Lebersteifigkeit, systemische Entzündungswerte und die Insulinsensitivität.

Einschränkungen der Studie und offene Fragen

Die Studie weist Limitationen auf, die in der medizinischen Praxis zu beachten sind. Bestimmte Bevölkerungsgruppen waren unterrepräsentiert, und der Einfluss von Alkoholkonsum oder genetischen Faktoren wurde nicht detailliert erfasst. Es handelt sich zudem um erste Ergebnisse einer größeren, noch laufenden Studie. Ob Semaglutid langfristig harte Endpunkte wie die Entwicklung einer Zirrhose oder die Sterblichkeit verringern kann, muss weiter untersucht werden.

Bedeutung für die klinische Praxis

Fachleute sehen in den Ergebnissen einen wichtigen Schritt. Bislang standen für die Behandlung der progredienten Fettleberentzündung MASH keine zugelassenen Medikamente zur Verfügung. Semaglutid könnte hier eine neue Option werden. Es wird jedoch betont, dass der Wirkstoff die zugrunde liegende metabolische Dysfunktion adressiert, deren Kernproblem häufig im Übergewicht liegt.

Die Langzeitdaten und die genaue Positionierung in der Therapieleitlinie müssen abgewartet werden. Die aktuellen Ergebnisse legen jedoch nahe, dass Semaglutid das Potenzial hat, als Multi-Target-Therapie bei miteinander verbundenen Stoffwechselerkrankungen eine Rolle zu spielen.