Ein einfacher Selbsttest könnte die Art und Weise verändern, wie Frauen ihr Risiko für Gebärmutterhalskrebs erkennen. Wie eine im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Studie zeigt, identifizierte ein Selbsttest auf humane Papillomaviren (HPV) präzise jene Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs oder schweren Vorstufen litten.

Kernbefunde der Untersuchung

Die Studie unter Leitung von Jiayao Lei vom Karolinska Institut in Schweden analysierte Daten von 855 Frauen mit einem positiven HPV-Selbsttest. Die Teilnehmerinnen wurden basierend auf dem HPV-Typ und der Viruslast in Hoch-, Mittel- und Niedrigrisikogruppen eingeteilt.

Die Ergebnisse waren deutlich:

  • 40 Prozent der Frauen in der Hochrisikogruppe hatten eine schwere Krebsvorstufe oder Krebs, die eine sofortige Behandlung erforderte.
  • Mehr als die Hälfte der positiv Getesteten gehörte zur Niedrigrisikogruppe. Ihr Risiko, innerhalb eines Jahres eine schwere Vorstufe oder Krebs zu entwickeln, lag bei nur vier Prozent.

„Aufgrund dieser Daten empfehlen wir, Frauen der Hochrisikogruppe direkt zur weiterführenden Abklärung mittels Kolposkopie zu überweisen“, so Lei. Die Kolposkopie ist eine Untersuchung, die bei Auffälligkeiten im Screening zum Einsatz kommt.

Neue Optionen für das Screening

Diese Erkenntnisse fallen in eine Zeit, in der das Gebärmutterhalskrebs-Screening zugänglicher gestaltet werden soll. Kürzlich empfahl die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) aktualisierte Leitlinien. Sie geben Frauen ab 30 Jahren die Option, Proben für HPV-Tests selbst zu entnehmen, was eine vollständige gynäkologische Untersuchung zunächst überflüssig machen kann.

„Frauen, die sich mit einer Selbstentnahme wohler fühlen, können diese Wahl nun treffen“, sagte Dr. Esa Davis von der USPSTF. „Wir hoffen, dass diese wirksame Option mehr Frauen dazu bewegt, sich regelmäßig screenen zu lassen.“

Grundlage ist die Zulassung eines HPV-Selbsttest-Kits durch die FDA im vergangenen Mai. Nach geltenden Leitlinien sollten Frauen zwischen 30 und 65 Jahren alle fünf Jahre gescreent werden.

Risikobasiertes Vorgehen als Zukunft

Der Seniorautor der Studie, Peter Sasieni von der Queen Mary University of London, betonte die Wichtigkeit eines risikoadaptierten Managements:

  • Frauen mit hohem Risiko benötigen eine sofortige klinische Abklärung.
  • Bei mittlerem Risiko ist ein klinisch durchgeführter FolgeTest angezeigt.
  • Personen mit niedrigem Risiko können sicher nach zwölf Monaten erneut getestet werden, was unnötige Eingriffe vermeidet.

„Ein risikobasierter Ansatz ist nach unserer Auffassung die Zukunft des Gebärmutterhalskrebs-Screenings“, so Sasieni.

Perspektiven für die Prävention

Gebärmutterhalskrebs ist bei frühzeitiger Erkennung gut behandelbar. HPV-Selbsttests, die in einigen Ländern bereits verfügbar sind, können Hürden wie eingeschränkten Klinikzugang oder persönliches Unbehagen verringern. Das Forschungsteam plant nun eine größere Studie in Schweden, um die Integration solcher Tests in bestehende Vorsorgeprogramme weiter zu untersuchen.