Geringe Verschreibungsraten trotz Versicherungsschutz

Nach einer Studie der Johns Hopkins University School of Medicine erhalten selbst versicherte Personen nur selten wirksame Schlankheitsmittel verschrieben. Die auf einer Tagung der American Heart Association vorgestellte, jedoch noch nicht unabhängig begutachtete Analyse benennt mehrere Hürden. Dazu zählen der Prozess der Rezepterstellung, die Verfügbarkeit in Apotheken und die finanzielle Belastung für Patienten.

Begrenzte Nutzung trotz neuer Wirkstoffe

Trotz der jüngsten Entwicklung wirksamer medikamentöser Therapien gegen Adipositas, insbesondere von GLP-1-Rezeptoragonisten wie Ozempic und Wegovy, bleibt ihre Verbreitung gering. Die Studie wertete Daten von 18.000 Patientinnen und Patienten mit Adipositas aus, die einen Versicherungsschutz für diese Medikamente hatten. Lediglich 2,3 % von ihnen erhielten tatsächlich ein entsprechendes Rezept.

Vielfältige Zugangsbarrieren

Dr. Chiadi Ndumele, einer der beteiligten Forscher, wies darauf hin, dass die Versicherungsdeckung nur ein Teil des Problems sei. Zuzahlungen und der komplexe bürokratische Aufwand für eine Vorabgenehmigung verhinderten oft eine Verschreibung. Hinzu komme, dass ein Unbehagen bei der Ansprache des Themas Adipositas sowie verbreitete Vorurteile gegenüber Menschen mit hohem Körpergewicht in klinischen Einrichtungen Gespräche über diese Behandlungsoption weiter erschwerten.

Unterschiede nach Bevölkerungsgruppen

Die Untersuchung deckte Unterschiede in der Verschreibungspraxis auf. Weiße Erwachsene, Personen in ihrem fünften Lebensjahrzehnt und Frauen erhielten mit höherer Wahrscheinlichkeit diese Medikamente. Dies ist klinisch relevant, da schwarze Erwachsene in der Bevölkerung höhere Raten von schwerer Adipositas und Bluthochdruck aufweisen.

Forderung nach besserer Ausbildung

Experten wie Dr. Christopher Chapman vom Rush University Medical Center und Dr. Sahar Takkouche vom Vanderbilt Wilson County Hospital betonen, dass die Lösung von Versicherungsfragen allein nicht ausreichend sei. Sie plädieren für eine umfassendere Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten im Bereich Adipositas-Medizin. Ein besseres Fachwissen und mehr Sicherheit im Umgang mit dem Thema könnten dazu beitragen, dass Behandlungsoptionen sachgerechter mit den Patienten besprochen werden.

Nach aktuellem Kenntnisstand sind strukturelle Hindernisse und Wissenslücken in der medizinischen Praxis somit weiterhin entscheidende Faktoren für die geringe Anwendung dieser Arzneimittel.