Darmkrebs zählt weltweit zu den häufigsten und tödlichsten Krebsarten. Nach der Erstbehandlung erhalten Patienten in der Regel allgemeine Ratschläge zu Lebensstiländerungen. Die Ergebnisse einer großen internationalen Studie legen nun nahe, dass strukturierte Bewegung nicht nur hilfreich, sondern klinisch hochrelevant für das Überleben sein könnte.

Die CHALLENGE-Studie: Strukturiertes Training mit klarem Ergebnis

Forscher aus Kanada, Australien, den USA, Großbritannien und Frankreich untersuchten über 15 Jahre, wie sich ein betreutes Bewegungsprogramm auf die Prognose von Darmkrebs-Patienten auswirkt. In der sogenannten CHALLENGE-Studie wurden fast 900 Patienten, deren Krebs bereits behandelt worden war, in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine erhielt Standard-Gesundheitsinformationen, die andere absolvierte drei Jahre lang ein angeleitetes Fitnessprogramm.

Das Programm forderte keinen Leistungssport: Es entsprach drei bis vier zügigen Spaziergängen pro Woche. Die Teilnehmer waren überwiegend keine Sportler, viele hatten Übergewicht und waren zwischen 20 und 85 Jahre alt.

Signifikante Verbesserung der Überlebensdaten

Die im The New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse sind eindeutig. In der Gruppe mit Bewegungsprogramm erlitten knapp 21 % einen Rückfall, entwickelten eine neue Krebserkrankung oder starben. In der Kontrollgruppe mit nur Gesundheitsberatung traf dies auf fast 30 % zu. Das krankheitsfreie Fünfjahresüberleben lag in der Sportgruppe bei über 80 %, gegenüber weniger als 74 % in der anderen Gruppe.

Konkret bedeutet dies eine Reduktion des Rückfallrisikos um 28 % und eine Verringerung der Sterblichkeit aus jeglicher Ursache um 37 %.

Experten: Nutzen vergleichbar mit Medikamenten, ohne Nebenwirkungen

Die Daten veranlassen Experten zu einer neuen Einschätzung. Dr. David Sebag-Montefiore, ein britischer klinischer Onkologe, der nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnete die Ergebnisse als ausgezeichnet. Er wies darauf hin, dass Bewegung viele Vorteile biete, aber ohne die toxischen Nebenwirkungen, die von vielen Krebsmedikamenten bekannt sind.

Dr. Kerry Courneya von der University of Alberta, der Hauptforscher der Studie, betonte die weiteren positiven Effekte: Bewegung verbessere Fatigue, Stimmung, Kraft und die Herzgesundheit. Zudem sei die Intervention kostengünstig. Die Kosten für das dreijährige Programm lagen bei umgerechnet etwa 2.000 bis 3.500 Euro pro Patient – ein Bruchteil der Kosten für viele moderne Krebstherapien.

Herausforderung Integration in die Regelversorgung

Trotz der klaren Evidenz stellt die flächendeckende Umsetzung solcher Programme das Gesundheitssystem vor Aufgaben. Kliniken sind oft überlastet, und die regelmäßige persönliche Betreuung durch Bewegungsexperten ist nicht überall verfügbar.

Forschende wie Dr. Vicky Coyle von der Queen’s University Belfast suchen nach praktikablen Lösungen. Denkbar sind digitale Betreuungsmodelle, kommunale Gesundheitsprogramme oder die Schulung von Onkologen, um Bewegung gezielt zu „verschreiben“. Die zentrale Botschaft der Studie bleibt: Gezielte körperliche Aktivität muss als fester, integrierter Bestandteil der onkologischen Nachsorge betrachtet werden.