Extremwetterereignisse und Pandemien können die Krebsfrüherkennung laut einer Studie massiv unterbrechen. Eine Analyse aus Puerto Rico zeigt, dass nach solchen Krisen zunächst weniger Diagnosen gestellt werden, später aber vermehrt fortgeschrittene Krebsfälle auftreten.
Diagnoserückgang während und nach Katastrophen
Forscher analysierten Daten des zentralen Krebsregisters von Puerto Rico aus den Jahren 2012 bis 2021. Sie fanden einen deutlichen Einbruch bei den Darmkrebs-Diagnosen in den Monaten nach den verheerenden Hurrikanen Irma und Maria im Jahr 2017 sowie während der ersten Welle der COVID-19-Pandemie 2020.
Im September 2017 wurden beispielsweise nur 82 Fälle von Darmkrebs registriert – etwa die Hälfte der zu diesem Zeitpunkt erwarteten 161 Fälle. Ein ähnliches Muster zeigte sich im April 2020 mit nur 50 gemeldeten Diagnosen.
Verspätete Diagnosen im fortgeschrittenen Stadium
Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Cancer, macht deutlich, dass Screenings und Routinetermine verschoben, nicht aber vollständig aufgehoben wurden. In den Folgejahren stieg die Zahl der Diagnosen im Spätstadium über die erwarteten Werte an. Dies deute darauf hin, dass Tumore während des diagnostischen „Blackouts“ fortgeschritten sind.
„Jede Lücke repräsentiert echte Menschen, die durch die Risse eines gebrochenen Systems fallen“, sagte Dr. Tonatiuh Suárez-Ramos, einer der Leitautoren der Studie. Geschlossene Kliniken, unterbrochene Infrastruktur und pandemiebedingte Lockdowns hätten die Routineversorgung pausieren lassen.
Implikationen für die Gesundheitsplanung
Die Autoren der Studie warnen vor einem sich verstärkenden Problem. Angesichts des Klimawandels und der Zunahme von Extremwetterereignissen seien Gesundheitssysteme weltweit zunehmend solchen Belastungstests ausgesetzt.
Sie fordern eine krisensichere Planung, die auch die Krebsvorsorge umfasst. Vorschläge sind mobile Screening-Einheiten, robuste Telemedizin-Angebote und redundante Stromversorgungen für medizinische Einrichtungen. Das Ziel sei nicht nur die Wiederherstellung des Normalbetriebs, sondern der Schutz von Patientenleben auch während und nach Katastrophen.